Das Gedächtnis spielt Stille Post

Je öfter Du Dich an etwas erinnerst, desto mehr verfälscht sich die Erinnerung.

Es ist ein bisschen wie das Spiel “Stille Post”: je öfter eine Nachricht wiederholt wird, desto mehr verfremdet sie sich. Das haben Forscher jetzt in einer Studie, auf die wir gleich noch eingehen werden herausgefunden.

Paralleluniversen der Erinnerung

Wenn Du Geschwister hast kennst Du vielleicht das Phänomen der “Parelleluniversen”. Ein Freund von mir, Stefan saß mal mit seinem Bruder Tobias am Frühstückstisch bei mir. Irgendwie kam dann eine alte Kindheitsgeschichte auf. Stefan sagte sowas wie: “Dann hau mir aber nicht nochmal mit auf die Nase.”

Und sein Bruder Tobias antwortete: “Na solang Du mich nicht trittst wird das schon nicht passiert, keine Sorge.”

Und daraus entfachte dann eine Diskussion. Stefan konnte sich noch genau daran erinnern dass Tobias ihm als Kind aus purer Boshaftigkeit mit einem Kochlöffel auf die Nase gehauen hat.

Aber Tobias konnte sich noch genau daran erinnern wie Stefan nach ihm getreten hat und nicht aufgehört hat, so lange bis er sich dann mit einem Kochlöffel verteidigt hat.

Beide waren der festen Überzeugung dass ihre Version die richtige Version war. Die Diskussion wurde so hitzig dass ich schon beinahe vorsichtshalber den Kochlöffel aus Sichtweite entfernt hätte 😉

Wie kann das sein? Nun, tatsächlich sagen beide die Wahrheit. In ihrer Erinnerung hat beides so stattgefunden wie sie es geschildert haben. Doch ihre Erinnerung ist keine Eins-zu-Eins Kopie der Realität.

Die wissenschaftliche Studie über das Gedächtnis

Die Forscher rekrutierten 12 Versuchsteilnehmer um an Gedächtnistests teilzunehmen, über einen Zeitraum von drei Tagen.

Tag 1: Die Versuchsteilnehmer legen 180 Objekte an vorgegebenen Positionen ab. (Das Ganze fand auf einem Computerbildschirm statt).

Tag 2: Die Teilnehmer sollten die Objekte wieder so anlegen wie am ersten Tag.

Tag 3: Die Teilnehmer sollten die Objekte wieder so anlegen wie am ersten Tag.

Dann werteten die Forscher die Ergebnisse aus und stellten fest: am dritten Tag legten die Teilnehmer die Objekte mehr in der gleichen Weise an wie am zweiten Tag.

Die Studie ((Neural Correlates of Reactivation and Retrieval-Induced Distortion, Donna J. Bridge and Ken A. Paller, The Journal of Neuroscience, 29 August 2012, 32(35): 12144-12151; doi: 10.1523/JNEUROSCI.1378-12.2012)) erschien im Journal of Neuroscience und wurde von Donna Bridge geleitet. Bridge ist eine promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Northwestern University’s Feinberg School of Medicine.

Jedes mal wenn wir eine Erinnerung abrufen lassen wir dabei etwas aus oder fügen etwas hinzu – und so verfremdet sich eine Erinnerung zusehends. Unser Gehirn kann nicht wirklich unterscheiden zwischen der tatsächlichen Erinnerungen, und dem nachfolgenden Abrufen der Erinnerungen.

 

Schlecht hören = schlecht erinnern? (Eine Studie der Max Planck Gesellschaft)

Wissenschaftler der Max-Planck-Forschungsgruppe Auditive Kognition um Jonas Obleser haben in einer Studie nachweisen können, dass schlechte Akustig dazu führt, dass das Hirn mehr Leistung bringen muss – und es dadurch weniger geistige Ressourcen zur Verfügung hat um Informationen im Kurzzeitgedächtnis zu behalten.

Mehr Details & Hintergrundinformationen zu der Studie findest Du in der Pressemitteilung der Max Planck Gesellschaft.

Adaptives Arbeitsgedächtnistraining hilft bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

Auch wenn Medikamente wie Ritalin derzeit noch immer die beliebteste “Behandlungsmethode” bei ADHS sind – es gibt einige Gründe weshalb Alternativen wichtig sind. Bei vielen Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom helfen Medikamente zwar ein wenig, jedoch oftmals mit Nebenwirkungen. Auch sind die Verbesserungen oftmals mehr subjektiver Natur als tatsächlich quantifizierbare Verbesserungen der geistigen Leistungsfähigkeit und des Konzentrationsvermögens.

Verhaltenstherapie ist oftmals sehr zeitaufwendig und mühsam bevor erste Ergebnisse erzielt werden.

Keine dieser beiden Behandlungsansätze für ADHS jedoch erzeugt Verbesserungen die auch dann fortbestehen, wenn die jeweilige Behandlungsmethode unterbrochen wird. ADHS Kinder die Ritalin schlucken leiden wieder unter extremem ADHS wenn sie aufhören die Pillen zu schlucken, und diejenigen die Verhaltenstherapie machen leiden oft wieder unter ADHS wenn sie nicht mehr zu den Sitzungen gehen. Das weist darauf hin, dass beide Ansätze bestenfalls Symptome behandeln, nicht jedoch wirklich die Ursachen von ADHS beheben.

Auch gibt es wenige wissenschaftliche Hinweise darauf, dass es diese ADHS-Therapien tatsächlich zu langfristigen Verbesserungen führen.

Arbeitsgedächtnistraining für ADHS

Das Arbeitsgedächtnis ist wichtig für das Konzentrationsvermögen. Metaphorisch umschrieben ist es quasi der Arbeitsspeicher unseres Gehirns.

Studien haben gezeigt dass mit intensivem Arbeitsgedächtnistraining Verbesserungen der akademischen Leistungen bei ADHS Kindern erzielt werden können, die auch mehrere Monate nach dem ADHS Training erhalten bleiben.

Eine kleine Studie ((Chloe T. Green, Debra L. Long, David Green, Ana-Maria Iosif, J. Faye Dixon, Meghan R. Miller, Catherine Fassbender and Julie B. Schweitzer, Will Working Memory Training Generalize to Improve Off-Task Behavior in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder?, NEUROTHERAPEUTICS2012, DOI: 10.1007/s13311-012-0124-y)) aus dem Jahr 2012 zum Beispiel:

ADHS-Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen unterteilt.

Gruppe A: intensives, adaptives Arbeitsgedächtnistraining am Computer welches sich jeweils an die Ergebnisse des Kindes anpasst.

Gruppe B: Arbeitsgedächtnistraining am Computer welches gleich bleibt, unabhängig davon wie das Kind beim Training abschneidet.

Das Arbeitsgedächtnistraining fand 5 Tage pro Woche über 5 Wochen statt. Das Training fand zuhause am Computer statt.

Wie wurde beurteilt ob und wie große Verbesserungen durch das Arbeitsgedächtnistraining erreicht wurden?

Um zu beurteilen ob (und wenn ja wie sehr) das Training des Arbeitsgedächtnisses zu Verbesserungen geführt hat wurde der Restricted Aca­d­e­mic Sit­u­a­tions Task (RAST) eingesetzt. Diese Testmethode wird auch häufig eingesetzt um die Wirksamkeit von medikamentösen ADHS Behandlungen in klinischen Studien zu bewerten.

Konkret sieht das dann so aus: ein Kind sitzt an einem Tisch und soll einige Arbeitsblätter ausfüllen innerhalb von 15 Minuten. Dies erfordert 15 Minuten konzentriertes geistiges Arbeiten. Das Kind wird dabei durch eine verspiegelte Glaswand beobachtet, damit die Forscher bemessen können wie fokussiert das Kind ist. Je öfter ein Kind abgelenkt vom Papier blickt, vom Stuhl aufsteht, oder mit Spielzeug spielt oder andere Handlungen ausführt die darauf hinweisen dass es nicht konzentriert ist, desto weniger konzentriert ist es.

Diese Art von Test ist präziser als die subjektiven Bewertungen von Lehrern oder Eltern.

Studien Ergebnisse

Es konnte festgestellt werden dass Kinder durch das adaptive Training die Kapazität ihres Arbeitsgedächtnisses signifikant verbessern konnten ((gemessen anhand des renommierten WISC-IV Tests, Wechsler Intelligence Scale for Children)).

Beim RAST Test schnitten die Kinder welche adaptives Arbeitsgedächtnistraining erhalten haben deutlich (und statistisch signifikant) besser ab als vor den fünf Wochen Training – im Gegensatz zu den Kindern der Gruppe B, bei zwar auch Arbeitsgedächtnistraining erhalten haben, jedoch bei denen das Training nicht adaptiv war.

 

Pause machen hilft beim Lernen (doch die richtige Art von Pause!)

Wenn Du etwas Neues gelernt hast und das Gelernte besser behalten willst hilft es unmittelbar nach dem Lernen eine kleine Erholungspause einzulegen. Das haben Michaele Dewar und ihre Kollegen in einer Studie, die bald im wissenschaftlichen Magazin Psychological Science erscheinen wird, nachgewiesen.

Nicht nur kurzzeitig, sondern auch langzeitig werden Erinnerungen so besser abgespeichert.

Nicht nur was Du tust während Du lernst ist wichtig, sondern auch was Du in den Minuten unmittelbar nach dem Lernen tust.

Die Wissenschaftler haben zwei Experimente durchgeführt:

Experiment A:

33 Versuchsteilnehmer im Alter von 61 bis 87 Jahren.

Ihnen wurden zwei Kurzgeschichten erzählt, und sie sollten sich an so viele Details wie möglich erinnern.

Unmittelbar darauf wurden sie dann aufgefordert zu beschreiben was in der Geschichte passiert ist.

Dann sollten sie entweder 10 Minuten lang eine kleine Erholungspause machen, oder ein “Erkenne den Unterschied”-Spiel am Computer spielen.

Die kleine Erholungspause (engl: wakeful resting) sah ganz konkret so aus. In einem abgedunkelten Zimmer zehn Minuten mit geschlossenen Augen ruhig entspannen. Den Teilnehmern war es selbst überlassen woran sie während dieser zehnmütigen Erholungspause dachten – ob sie tagträumen, über die Geschichte nachdenken oder über ihre Einkaufsliste nachdenken, oder was auch immer. Es kam nicht darauf an woran sie dachten, sondern einfach nur dass keine neuen Informationen während dieser 10 Minuten von außen in ihr Bewusstsein drangen (deshalb die Dunkelheit und Stille).

Das Erkenne-den-Unterschied-Spiel sah so aus, dass den Teilnehmern jeweils 30 Sekunden lang Bildpaare dargestellt wurden. Sie sollten in jedem Bildpaar zwei kleine Unterschiede erkennen. Diese Aufgabe wurde ausgewählt weil sie Aufmerksamkeit verlangte, jedoch non-verbal war (im Gegensatz zur Geschichte).

Die Teilnehmer welche eine kleine Erholungspause nahmen konnten sich an deutlich mehr Details von der Geschichte erinnern als diejenigen, die das Erkenne-den-Unterschied Spiel gespielt haben.

Diese Studie deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt an dem wir eine Information erhalten nur ein sehr frühes Stadium des Bildens von Erinnungen ist.

Gerade für Menschen die geistige Höchstleistungen bringen wollen ist es also wichtig nicht ununterbrochen geistig aktiv zu sein, sondern sich zwischendurch auch einfach mal Ruhepause zu gönnen. Doch Pause in diesem Sinne heißt nicht lustige YouTube videos angucken, die Glotze anschalten oder gar ein Buch zu lesen. Nein, es bedarf einer Pause- ganz ohne sensorische Stimulation. Das heißt also: mal Internet, Telefon, Radio und Fernseher abschalten, das Buch zuklappen und die Augen schließen und einfach eine Weile sein.

In diesem Sinne, eine kleine Lektion von Balu dem Bären:

Spaced Repetitions: Wie Medizinstudenten an der Harvard Medical School lernen

Einer der wohl anspruchsvollsten Studiengänge der Welt ist das Medizinstudium an der Harvard Medical School. Wer dort seinen Doktortitel der Medizin erlangt hat dafür viel pauken müssen.

Wie lernen Studenten an der Harvard Medical School?

B. Price Kerfoot, ein Professor der dort unterrichtet wollte es wissen. Auch weil er frustriert war dass seine Studenten so viel gelerntes Wissen wieder vergessen haben. Er stellte fest, dass viele der Studenten dort speziell für Examen und Tests lernten – eine wirksame Methode um schnell viel auswendig zu lernen – und es auch schnell wieder zu vergessen.

Wer wirklich langfristig etwas lernen will, der sollte das Gelernte vor allem in regelmäßigen Zeitabständen wieder auffrischen ((im Englischen gibt es den Begriff “spraced repetition” der manchmal als “verteiltes Wiederholen” ins Deutsche übersetzt wird)).

Professor Kerfoot wollte dann wissen wie er durch das Einbauen von regelmäßigen Wiederholungen in seinen Vorlesungen Studenten helfen konnte Lerninhalte besser (und bleibender) im Gedächtnis abzuspeichern.

Deswegen schickte er zum Beispiel per Email in wöchentlichen Abständen Fragen zum Lehrstoff an die Studenten. Am Endes eines Jahres schnitten die Studenten welche die wöchentlichen Emails mit Fragen zugeschickt bekommen hatten deutlich besser ab als andere Studenten.

Innerhalb von fünf Jahren hat Professor Kerfoot dann mehrere Studien ((J Contin Educ Health Prof. 2011 Spring;31(2):103-8. doi: 10.1002/chp.20113.Impact on clinical behavior of face-to-face continuing medical education blended with online spaced education: a randomized controlled trial.Shaw T, Long A, Chopra S, Kerfoot BP. und Interactive Spaced Education to Assess and Improve Knowledge of Clinical Practice Guidelines: A Randomized Controlled Trial, Kerfoot, B Price MD, EdM*†; Kearney, Michael C. MD†‡; Connelly, Donna BS§; Ritchey, Michael L. MD, Annals of Surgery:May 2009 – Volume 249 – Issue 5 – pp 744-749doi: 10.1097/SLA.0b013e31819f6db8)) veröffentlicht die gezeigt haben dass regelmäßige Wiederholungen (spaced repetitions) das langfristige Erinnern von Lerninhalten um 50% verbessern kann.

Wir haben die Methodik von spaced repetitions ebenfalls in unseren Mental-Trainings Email Kurs integriert und Du kannst sie kostenlos ausprobieren indem Du oben rechts Deine Email-Addresse einträgst.

Lernen im Schlaf funktioniert (manchmal, sagt eine neue wissenschaftliche Studie)

Lernen im Schlaf? Das klingt wie eine Werbeversprechen aus einem Esoterik-Magazin. Doch eine neue wissenschaftliche Studie ((Antony, J.W., Gobel, E.W., O’Hare, J.K., Reber, P.J., & Paller, K.A. Cued Memory Reactivation During Sleep Influences Skill Learning. Nature Neuroscience, June 24, 2012)) die im renommierten Nature Neuroscience Journal veröffentlicht wurde ist Lernen im Schlaf tatsächlich möglich – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Forscher haben Versuchsteilnehmer zwei einfache Klavierstücke lernen lassen.

Dann sollten die Teilnehmer ein eineinhalbstündiges Mittagsschläfchen machen. Die Teilnehmer waren an ein EEG angeschlossen welches ihre Hirnaktivität beobachtete. Wenn die Teilnehmer im sogenannten Slow-Wave-Schlaf waren wurde ihnen eine der beiden Klavierstücke vorgespielt. Es ist schon seit längerem bekannt dass Slow-Wave-Schlaf mit der Konsolidierung von Erinnerungen zu tun hat.

Wenn die Teilnehmer nach ihrem Mittagsschlaf dann die beiden Klavierstücke wieder spielen sollten konnten sie das Klavierstück welches ihnen im Schlaf vorgespielt wurde deutlich besser spielen.

Es besteht jedoch ein großer Unterschied zu den vielen Produkten die versprechen dass man im Schlaf eine neue Sprache oder andere Fähigkeiten lernen kann.

Worin genau liegt der Unterschied?

Nun, Lernen im Schlaf scheint nur dann zu funktionieren wenn man tagsüber (im Wachbewusstsein) schon gelernt hat – das Wiederholen im Schlaf führt dazu dass diese neuen Lerneindrücke wieder aktiviert und verfestigt werden. Es gibt jedoch keine Studien die glaubhaft belegen dass man etwas komplett neues im Schlaf lernen könnte wenn man es nicht auch tagsüber lernt.

Dass gesunder Schlaf nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die geistige Leistungsfähigkeit extrem wichtig ist betonen wir immer wieder. Und für einen Menschen mit schlechter Schlafqualität macht es unserer Meinung nach am meisten Sinn sich darauf zu fokussieren besser zu schlafen um langfristig körperlich und mental fitter zu werden.

Frühe Kindheitserinnerungen: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

Wie werden unsere frühesten Erinnerungen geformt? Warum können wir uns an Erlebnisse aus unseren ersten Lebensjahren nicht mehr erinnern? Wo wir doch in dieser Zeit so vieles über die Welt gelernt haben – inklusive des Sprechens.

Widerlegte Theorien

Früher glaubte man dass Babies keine Erinnerungen formen konnten, weil ihr Gehirn einfach noch nicht so entwickelt sei, dass ein Gedächtnis funktionieren könnte. Doch mittlerweile weiß man, dass die neurologischen Strukturen zum Abspeichern von Erinnerungen bereits vorhanden und funktionsfähig sind.

Sigmund Freud hatte seine eigene Theorie: infantile Amnesie. Und er vermutete (nicht überraschend) dass wir uns nicht an unsere ersten Lebensjahre erinnern können weil in dieser Zeit erster sexuelle Gefühle entstanden sind, und wir die Erinnerungen daran unterdrückt haben. Jaja, Sigmund…

Neue Theorien

Eine Theorie besagt, dass die Erinnerungen aus den ersten Lebensjahren etwa ab der Pubertät verloren gehen.

Dazu gab es eine interessante Studie: Forscher befragten Kinder zwischen vier bis 13 Jahren nach ihren frühesten Erinnerungen. Zwei Jahre später stellten sie den gleichen Kindern die gleichen Fragen.

Die älteren Kinder antworteten meist so wie bei der ersten Befragung. Doch die jüngeren Kinder antworteten meist anders, und sie konnten sich an die frühesten Erinnerungen die sie vor zwei Jahren genannt haben oftmals garnicht mehr erinnern.

Auch kulturelle Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Eine Studie ((“When I Was Little”: Childhood Recollections in Chinese and European Canadian Grade School Children; Carole Peterson1, Qi Wang2, Yubo Hou3Article first published online: 29 APR 2009DOI: 10.1111/j.1467-8624.2009.01275.x)) mit chinesischen und kanadischen Kleinkindern hat zum Beispiel gezeigt dass die kanadischen Kleinkinder sich etwa ein Jahr weiter zurückerinnern können als die chinesischen Kinder. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Kanadier und Chinesen anders mit ihren Kindern kommunizieren.

Wenn Eltern zum Beispiel auf eine strukturierte Art und Weise nach Erinnerungen befragen, helfen sie den Kindern dabei klarere Gedankengänge zu erstellen. Eine einfache Methode um dies zu tun ist Kinder Wer, wann, was Fragen zu stellen. (Das bestätigt mal wieder die Sesamstraße).

Tatsächlich haben sich Erinnerungen als beständiger erwiesen, wenn die Kinder sie koherent beschrieben haben, mit einer Reihenfolge und Ursache- Wirkungs-Zusammenhängen, und wenn starke Gefühle involviert waren.

Auch dass zeigt warum Mnemotechniken so wirksam sind: Informationen werden emotional kodiert und auch kognitiven intensiver verarbeitet, was uns dabei hilft die Information besser abzuspeichern und später leichter wieder darauf zuzugreifen.

Gedächtnistraining (Video von Deutsche Welle mit Prof. Dr. Hans J. Markowitsch)

Hier ein kurzer Beitrag der Deutsche Welle Sendung fit & gesund.

Prof. Dr. Hans J. Markowitsch, Gedächtnisforscher der Universität Bielefeld kommt im Beitrag zu Wort und auch gibt es einen kurzen Gedächtnistest zum Mitmachen.

Ein kurzer Überblick:

  • Genetik spielt auch eine Rolle, doch auch Umwelteinflüsse (wir sind den Genen nicht ausgeliefert)
  • vor allem Interesse bestimmt wie gut wir uns etwas merken können (was uns interessiert merken wir uns einfach, Langweiliges wird leicht vergessen)
  • Gibt es eine Gedächtnistagesform? Hoch nach dem Aufwachen am morgen, Abnahme am frühen Nachmittag, dann bis zum Abend geht Leistung wieder hoch, und Nachts am schlechtesten
  • Wie vergessen wir? Warum ist vergessen wichtig? Menschen die nicht vergessen können haben Schwierigkeiten. 2 Formen von Vergessen: Zerfall (Information lockert sich in den Hirnnetzen) und Interferenzvergessen: neue Information ähnlicher Art kommt dazu, überlagert und ersetzt dann die alte Information (Erinnerung). Interferenzvergessen ist weitaus häufiger
  • Funktioniert Gehirnjogging? Es gibt unzählig viele Beweise dass Gehirnjogging funktioniert. Wichtig: tun was einen interessiert, entsprechend eigenen Neigungen
  • Was hilft gegen abnehmendes Erinnerungsvermögen im Alter? Auch Gedächtnis- und Mentaltraining.
  • Hilft Gingko? Wenn man dran glaubt ja, aber wegen dem Placeboeffect.

Mit dem Alter vergesslich werden… Angst vor Alzheimer & Demenz

Wenn Menschen älter werden vergessen sie häufig etwas. Das bemerkte auch Michael F.

Namen von Schauspielern die ihm auf der Zunge lagen – aber er kam trotzdem nicht drauf. Und wo hat er seine Schlüssel hingelegt?

Ach, und dann hat er ganz vergessen den Brief abzuschicken…

“Mensch, mit mir geht’s bergab”, dachte er sich, “meine grauen Zellen verkalken wohl schon langsam.”

Und jedes mal wenn er wieder etwas vergessen hatte, dann erinnerte er sich daran wie er kürzlich etwas anderes vergessen hatte, und dann noch etwas. Wie eine Kettenreaktion.

Wenn ihm (zu spät) aufgefallen ist, dass er vergessen hat ein Zeitungsabo zu kündigen, dann ärgerte er sich über seine Vergesslichkeit – und er erinnerte sich daran dass er letztends nach dem Zettel gesucht hat auf den er eine Telefonnummer aufgeschrieben hat und vergessen hat wo er ihn hingelegt hat.

Und all das führte dazu, dass er sich tatsächlich Sorgen machte: ‘Was, wenn das tatsächlich Alzheimer ist? Was wenn ich demnächst nicht nur vergesse Bananen vom Einkaufen mitzubringen, sondern meine Familienmitglieder vergesse?’

Gedanken wie diese plagten ihn immer häufiger.

Und wenn er im Fernsehen etwas über Alzheimer sah, oder im Internet etwas über Demenz laß… nun, es war der perfekte Nährboden für seine Sorgen.

Aber Michael war nicht der einzige der manchmal vergesslich war. Auch sein Neffe Rene vergaß manchmal etwas.

Doch wenn Rene etwas vergaß – nun, es schien ihn kaum zu bekümmern. “Ah, manchmal bin ich so verpeilt, haha!”, sagte er oft und lachte drüber.

Rene ging mit dem Vergessen ganz nonchalant um, war überhaupt nicht besorgt dass sich dahinter eine ernsthafte neurologische Störung versteckte.

Michael hatte Angst vor Alzheimer.

Rene nicht.

Und diese unterschiedliche Reaktion auf Vergesslichkeit – die machen einen tatsächlichen Unterschied.

Denn wer sich sorgt und aufregt und ereifert und bei jedem vergessenen Namen gleich den Teufel (oder Alzheimer) an die Wand malt, der tut sich selbst damit keinen Gefallen.

Auch wenn es nur ein Schreckgespenst ist – die Stresshormone die dadurch im Körper und Gehirn freigesetzt werden können tatsächlich Schaden verursachen. Und wenn diese Sorgen und Befürchtungen Bestandteil des Alltags werden dann ist unser Gehirn chronischem Stress ausgesetzt – die schlimmste und schädlichste Art von Stress.

Und das kann in der Tat degenerative Gehirnerkrankungen beschleunigen.

Noch dazu programmiert man sich durch die Selbstvorwürfe und abwertenden Bemerkungen und negativen Vorausahnungen selbst: es werden selbsterfüllende Prophezeiungen.

Wenn wir fest genug daran glauben dass unser Gedächtnis immer schlechter wird, und jeden kleinen mentalen Aussetzer als ein sicheren Symptom des unabwendbar bevorstehenden geistigen Verfalls interpretieren – nun, dann könnten wir am Ende auf eine perfide Weise dafür Sorgen, dass wir damit recht haben.

Obwohl es garnicht nötig gewesen wäre.

Also: entwickle ein entspanntes und lockeres Verhältnis zum Vergessen.Auch das ist mentales Training. Humor ist eine wunderbare Waffe gegen Sorgen und Ängste: lach über Deine Vergesslichkeit, bevor sie Dir das Lachen vermiest.

Menschen suchen nach Erinnerungen so wie Tiere nach Futter suchen

Es ist schon faszinierend wie viel mehr wir über die funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses lernen. Eine neue Studie ((Thomas T. Hills, Michael N. Jones, Peter M. Todd. Optimal Foraging in Semantic Memory.Psychological Review, 2012; DOI: 10.1037/a0027373)) hat nun gezeigt, dass Menschen in ihrem Gedächtnis nach Informationen suchen auf die gleiche Art und Weise wie Tiere nach Futter suchen.

Doch was genau heißt das?

Nun, nehmen wir zum Beispiel als Tier einen Vogel. Ein Vogel der nach Futter sucht weiß, dass sein Futter meistens in Ansammlungen zu finden ist. Vögel essen gerne Beeren. Und Beeren wachsen auf Sträuchern. Ein Strauch ist also eine Ansammlung von Futter für einen Vogel. Deshalb suchen Vögel nicht nach einer einzelnen Beere, sondern nach einem Beerenstrauch.

Allerdings gibt es auch einen Punkt, an dem ein Strauch so leergefressen ist, dass es sich für den Vogel nicht mehr lohnt auf diesem Strauch weiter nach Beeren zu suchen. Selbst wenn hier und da noch ein paar Beeren zu finden sein mögen, für den Vogel macht es mehr Sinn nach einem anderen Strauch zu suchen, der noch nicht kahlgefressen ist.

Das Suchverhalten des Vogels entspricht dem Grenzwert-Theorem ((marginal value theorem, so der Begriff im Englischen)).

Was hat das mit dem menschlichen Gedächtnis zu tun?

Nun, Wissenschaftler haben Versuchsteilnehmern folge Aufgabe gestellt: Nenne so viele Tiere wie Du kannst innerhalb von drei Minuten.

Die Ergebnisse haben sie dann mit dem Grenzwert-Theorem verglichen und festegestellt: die Menschen, die gemäß dem optimalen Grenzwerttheorem nach Tiernamen suchen, haben die größte Anzahl an Tieren innerhalb von drei Minuten genannt.

Ein Beispiel?

Das, was beim Vogel ein Beerenstrauch ist, ist in dieser Gedächtnisaufgabe zum Beispiel eine Gruppe von Tieren die ein Mensch “nah beieinander” im Gedächtnis abgespeichert hat. Also: Löwe, Tiger, Leopard, Gepard. Katze. Hyäne. (Katzenartige Tiere). Oder eine andere Gruppe: Nilpferd, Rhinozeros, Krokodil, Giraffe, Zebra, Elefant. (Tiere die in Afrika leben).

Bei den Gruppierungen handelt es sich nicht um biologische Klassifizierungen, sondern einfach um mögliche Ansammlungen von Tieren im Gedächtnis, die natürlich sehr subjektiv und von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können. Solche Ansammlungen von verwandten Erinnerungen sind jedoch ein universaler Mechanismus des Gedächtnisses, auch wenn die genauen Inhalte natürlich individuell sind.

Was hat das mit mentalem Training zu tun?

Nun, wenn Du mal ein einer Situation bist in der Du “mental steckenbleibst” oder “leergelaufen bist”, dann kannst Du Dir folgende Frage stellen:

Springe ich zu schnell von einer Ansammlung zur nächsten, oder verweile ich zu lange bei einer bestimmten Ansammlung?

Dann kannst Du Deine Denkweise entsprechend anpassen: entweder Dich intensiver mit einer mentalen Ansammlung beschäftigen, oder aber bewusst die Entscheidung treffen eine ergiebigere mentale Ansammlung zu finden.

Gedächtnistraining ist nicht immer nur das typische “Erinnern lernen”, sondern manchmal eben auch alternative Erinnerungsstrategien zu lernen! Diese Technik ist ein weiteres Untensil in Deinem mentalen Werkzeugkasten, wir hoffen es wird Dir von Nutzen sein.