Training: Warum Wiederholung wichtig ist (auch wenn Du es schon perfekt kannst)

Beim Training kommt man um’s Wiederholen nicht herum – zumindest nicht, wenn man wirklich gut werden will.

Doch was mit Menschen die bereits wahre Meister ihres Fachs sind? Sollen etwa auch die weiterhin trainieren und wiederholen? Kann jemand der auf scheinbar höchstem Niveau sein Werk vollrichtet von weiterer Wiederholung profitieren?

Denn zugegeben: manchmal kann das viele Wiederholen ganz schön langweilig werden. Und es erfordert viel Disziplin und Willenskraft, gegen diese Langeweile anzuschieben und einfach weiter zu wiederholen. Ist es also wirklich diese Mühe wert?

Dieser Frage sind Forscher kürzlich auf den Grund gegangen.

Weniger Energieverbrauch = Bessere Leistung

Sie haben den Energieverbrauch von Menschen gemessen, die eine Fähigkeit gelernt haben.

Je weniger Energie zum Ausführen einer Fähigkeit gebraucht wird, desto besser ist eine Person imstande diese Fähigkeit auszuführen.

Wie wurde der Energieverbrauch gemessen? Die Forscher maßen genau, wie viel Sauerstoff eingeatmet und wie viel Stickstoff ausgeatmet wurde.

Und während welcher Fähigkeit?

Versuchspersonen sollten mit Hilfe eine Roboterarms einen Mauszeiger auf einem Bildschirm bewegen.

Am Anfang verbrauchten die Personen am meisten Energie.

Je mehr sie übten, und je besser sie dabei wurden den Mauszeiger zu steuern, desto weniger Energie brauchten sie.

Interessant ist vor allem, dass die Personen nach einer gewissen Trainingsdauer keine bemerkbare Verbesserung auf muskulärer Ebene mehr zeigten. Das heißt also, was die Steuerung angeht, schienen die Personen auf Lernplateau erreicht zu haben. Obwohl sie weiterhin übten, konnte keine Verbesserung der Fähigkeit festgestellt werden, wenn man ihre Muskelaktivität maß, oder die Steuerung des Mauszeigers.

Sowohl Beobachter wie auch Versuchtsteilnehmer hatten den Eindruck, dass es keinen weiteren Lerneffekt gab.

Interessant ist jedoch: der Energieverbrauch wurde geringer! Und zwar war die Verringerung deutlich stärker als zuvor.

Das heißt also, dass in dieser Trainingsperiode in der es den Leuten vorkam, als würden sie feststecken und keine weiteren Fortschritte erzielen, durchaus einen Lerneffekt gab, und zwar einen signifikanten Lerneffekt.

Je weniger Energie für das Ausführen einer Tätigkeit benötigt wird, desto mehr Energie steht für andere Aktivitäten zur Verfügung – und das kann sich dann in schwer quantifizierbaren, jedoch dennoch existenten Qualitäten wie zum Beispiel Eleganz, Grazie oder Präzision ausdrücken.

Warum beeinträchtigt Stress das Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis)?

Ist Dir schonmal aufgefallen dass Du eher zu Gedächtnislücken neigst wenn Du gestresst bist? Dieses Phänomen ist sowohl bei Menschen wie auch bei Tieren zu beobachten, und wurde in vielen Experimenten nachgewiesen.

Forscher ((von Universität von Wisconsin-Madison in den USA unter der Leitung von David Devilbiss)) haben nun ein klareres Bild davon warum Stress die Leistung des Arbeitsgedächtnisses beeinträchtigt.

Das Arbeitsgedächtnis ist in einem bestimmten Teil Deines Gehirns lokalisiert: dem präfrontalen Cortex.

Damit eine Information im Arbeitsgedächtnis behalten werden kann müssen die betreffenden Neuronennetze im präfrontalen Cortex beständig wieder im Gleichschritt feuern. Die einzelnen Neuronen selbst können im tausendstel-Sekunden Takt miteinander kommunizieren, doch wenn ein Neuron nicht innerhalb von einer Sekunde wieder stimuliert wird geht die Information verloren. Es ist ein bisschen wie mit dem Jonglieren: die Bälle müssen ständig wieder hochgeworfen werden, damit alles reibungslos läuft. Fängt man einen Ball nicht rechtzeitig auf und wirft ihn wieder hoch, so fällt er runter (geht verloren).

Wenn wir jedoch Stress ausgesetzt sind lenkt das die Neuronen ab. In dem besagten Experiment konnten Forscher das nachweisen indem sie die Ratten einem plötzlichen, unerwartetem, lauten weißen Rauschen aussetzten während sie ein Labyrynth navigierten.

Unter normalen Bedingungen konnten die Versuchsratten zu 90% das Labyrynth erfolgreich durchlaufen.

Wenn sie jedoch dem weißen Rauschen ausgesetzt wurden konnten nur etwa 65% der Ratten das Labyrynth noch erfolgreich durchlaufen.

Die Forscher haben gleichzeitig die Aktivität der Neuronen im präfrontalen Cortex der Ratten beobachtet. Sie konnten feststellen dass die Neuronen der gestressten Ratten nicht optimal miteinander kommunizieren konnten, und sich die Ratten folglich nicht so gut merken konnten wo sie sich gerade im Labyrynth befinden und wie sie weiter navigieren.

Diese Erkenntnisse sind auch für Menschen bedeutsam, denn wir wissen dass Stress das Arbeitsgedächtnis, die Aufmerksamkeit und das Konzentrationsvermögen schwächt. In der Tat ist Stress ein Faktor bei vielen Unfällen.

Deshalb sollte mentales Training immer auch Stressmanagement beinhalten.

Mathe Meets Neuroforschung

Forscher ((von der Duke University und der University of Michigan in den USA)) haben herausgefunden: gute Kommunikation zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte ist wichtig für’s Rechnen.

Im Rahmen einer Studie ((J. Park, D. C. Park, T. A. Polk. Parietal Functional Connectivity in Numerical Cognition. Cerebral Cortex, 2012; DOI: 10.1093/cercor/bhs193)) haben die Wissenschaftler mit Hilfe von fMRI (auch fMRT genannt) die Gehirnaktivität von 27 gesunden jungen Versuchsteilnehmern beobachtet, während sie einfache Rechenaufgaben lösten.

Dabei ist ihnen aufgefallen, dass die Versuchsteilnehmer, bei welchen der meiste Austausch zwischen der rechten und linken Hirnhälfte stattfand Subtraktionsaufgaben schneller lösten als andere Versuchsteilnehmer.

Diese Erkenntnis könnte eines Tages hilfreich sein für Menschen die unter Dyskalkulie (Rechenschwäche) leiden – der Studienleiter Dr. Joonkoo Park spekuliert, dass bei Menschen mit Rechenschwäche die Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte vermindert ist. Wenn dem so ist, wäre es vielleicht möglich diesen Menschen zu helfen indem man gezielt Mental Training zu entwickelt, welche die Zusammenarbeit der beiden Hirnhemisphären verstärken.

Gehirnareale lernen mit interaktiver Grafik

Wenn du schon immer wissen wolltest wo das sensorische Rindenfeld liegt, wie groß das Kelinhirn ist, wie das Wernicke-Zentrum geformt ist, wozu das Broca-Zentrum dient und wie dein Gehirn überhaupt so untergliedert ist, dann ist die Reise ins Gehirn von Spiegel.de ein toller Einstieg.

Eine interaktive Abbildung des menschlichen Gehirns in der die wichtigsten Hirnareale deutlich illustriert und anschaulich erläutert sind.

Wer mehr über das Gehirn lernen möchte, dem empfehle ich das Buch Das Gehirn: Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen:

via ThinkNeuro – der Neuromarketing Blog

Hyperthymestisches Syndrom: Das Super-Autobiographische Gedächtnis

Es gibt Menschen mit einem außergewöhnlichem autobiographischen Gedächtnis – diese Menschen können sich oftmals an jeden einzelnen Tag ihres Lebens detailliert erinnern, haben jedoch in anderen Lebensbereichen kein außergewöhnliches Gedächtnis.

Dieses Phänomen wird im englischen Sprachbereich highly superior autobiographical memory (HSAM) und ist in deutschland auch als hyperthymestisches Syndrom bekannt.

Eine Studie ((“Behavioral and neuroanatomical investigation of Highly Superior Autobiographical Memory (HSAM)” by Aurora K.R. LePort, Aaron T. Mattfeld, Heather Dickinson-Anson, James H. Fallon, Craig E.L. Stark, Frithjof Kruggel, Larry Cahill and James L. McGaugh inNeurobiology of Learning and Memory July 2012; 98 (1): 78 doi: 10.1016/j.nlm.2012.05.002)) hat nun gezeigt dass das Gehirn dieser Menschen tatsächlich anatomisch anders ist als das Gehirn von Menschen ohne dieses besonders ausgeprägte autobiographische Gedächtnis.

Auch auffällig ist, dass viele Menschen mit HSAM unter Zwangsstörungen leiden oder zwanghafte Verhaltsnweisen haben und oftmals fanatische Sammler sind (Briefmarken, Postkarten, Videos, Schuhe, etc.)

Selbstbeherrschung: Hast Du Dich selbst gut im Griff? Dann hast Du wahrscheinlich wenig Selbstkontrolle…

Glaubst Du dass Du Dich selbst gut im Griff hast? Dass Du gut darin bist Versuchungen zu widerstehen? Verfügst Du über gute Selbstbeherrschung?

Ja?

Nun, dann bist Du besonders gefährdet Versuchungen zum Opfer zu fallen.

Eine Studie ((Nordgren, Loran, Frenk van Harreveld and Joop van der Pligt. 2009. The Restraint Bias: How the Illusions of Restraint Promote Impulsive Behavior. Psychological Science. 20: 1523-1528.)) hat gezeigt, dass Menschen die von sich selbst glauben eine gute Selbstbeherrschung zu haben oftmals das genau gegenteilige Verhalten an den Tag legen.

Es ist ein Fall von überschätzter Selbstkontrolle. Eben gerade weil Du glaubst Dich selbst gut im Griff zu haben setzt Du Dich häufiger Versuchungen aus.

Das Beispiel ist besonders deutlich zu sehen bei Rauchern die gerade im Prozess sind das Rauchen aufzugeben. Diejenigen die von sich selbst glauben dem Ruf der Zigarette widerstehen zu können setzen sich öfter Situationen aus in denen eine Zigarette sie verlockt – und werden folglich auch häufiger rückfällig.

Die Psychologie überschätzter Selbstkontrolle

Warum überschätzen wir unsere Selbstkontrolle so häufig? Ein Grund ist einfach dass wir nicht gut darin sind vorauszusagen wie wir uns zukünftig fühlen und verhalten wenn die Umstände anders sind als die Umstände in denen wir uns gegenwärtig gerade befinden.

Ein Beispiel?

Wenn wir satt sind dann unterschätzen wir die Macht die Hungergefühle über uns ausüben können.

Wenn wir frieren dann unterschätzen wir wie sehr brühende Hitze uns zu schaffen mache kann.

Wenn wir gerade befriedigenden Sex gehabt haben unterschätzen wir wie sehr Gelüste unseren Verstand entgleisen lassen können.

Das Cafeteria-Snack Experiment

Ein Forscher ließ 79 Versuchsteilnehmer 7 Snacks der Reihenfolge nach ordnen: der Snack der ihnen am besten schmeckt als erstes, der den sie am wenigsten verlockend fanden als siebtes.

Dann sagte er ihnen sie sollten sich einen Snack aussuchen, und dass sie den Snack bekommen würden und noch dazu 4 Euro, wenn sie den Snack eine Woche später noch nicht gegessen haben.

Einige der Versuchsteilnehmer befragte er bevor sie die Cafeterie betraten (also noch hungrig waren), andere nachdem sie die Cafeterie verließen (also satt waren).

Dabei bemerkte er folgende Tendenz: diejenigen die er befragte bevor sie die Cafeterie betraten wählten öfter einen anderen als ihren Lieblings-Snack aus. Während diejenigen, welche die Cafeterie verließen öfter ihren Lieblings-Snack aussuchten. Menschen die also hungrig waren wählten bewusst einen Snack aus dem sie leichter widerstehen konnten als diejenigen die satt waren.

Und diejenigen die ihren Lieblingssnack ausgesucht hatten (“die Satten”) hatten ihn häufiger vor Ablauf der Woche aufgefressen als diejenigen die sich einen Snack ausgesucht haben als sie noch hungrig waren.

Auch auf einer individuellen Basis waren diejenigen, die sich in einer Befragung als sehr selbstbeherrscht beschrieben öfter diejenigen, die der Versuchung vor Ablauf einer Woche zum Opfer gefallen sind und den Snack aufgegessen haben. Warum? Weil sie eben häufiger ihren Lieblingssnack ausgesucht hatten als diejenigen, die ihre Selbstbeherrschung geringer eingeschätzt haben.

Das Raucher-Verlockungs-Experiment

Der Forscher wollte das Phänomen durch ein anderes Experiment untersuchen. Dazu rekrutierte er 53 Raucher.

Dann gab er ihnen einen Test um zu bestimmen wie gut diese Raucher dem Griff zur Zigarette widerstehen konnten. Allerdings wurde bei der Auswertung dieses Tests geschummelt. Die Ergebnisse, welche den Rauchern präsentiert wurden waren willkürlich und standen in keinem Zusammenhang zu ihren tatsächlichen Antworten im Test. Und so wurde einigen Rauchern gesagt, dass sie über sehr starke Selbstbeherrschung verfügten, und anderen wurde gesagt, dass sie nur eine schwache Selbstbeherrschung hatten.

Dann bekamen die Teilnehmer eine Aufgabe:

Sie sollten sich einen Film mit dem Titel “Kaffee und Zigaretten” ansehen. Und dabei sollten sie der Versuchung widerstehen sich eine Zigarette anzuzünden. Diejenigen die der Versuchung widerstehen konnten bekamen einen Preis. Nun mussten sie aber vorab eine Entscheidung treffen.

Die Entscheidung welche von den Teilnehmern verlangt wurde war wie folgt. “Wollen Sie den Film ansehen während…

a) eine Zigarette im Nachbarzimmer bereit lag

b) eine Zigarette auf dem Tisch vor ihnen bereit lag

c) sie eine Zigarette in der Hand hielten oder

d) sie eine Zigarette im Mund hatten (unangezündet)

Wie man sehen kann ist es bei Variante a) am einfachsten zu widerstehen und bei Variante d) am schwierigsten.

Je schwieriger die Variante die sie auswählten, destö größer das Preisgeld das sie bekommen würden wenn sie der Zigarette erfolgreich widerstehen konnten.

Diejenigen, denen gesagt wurde dass sie über sehr guten Selbstbeherrschung verfügten wählten häufiger ein schwierige Variante – und scheiterten auch häufiger, während diejenigen, denen gesagt wurde dass sie über eine schwache Selbstbeherrschung verfügten öfter eine leichtere Variante wählten, und der Versuchung erfolgreich widerstehen konnten.

Was bedeutet das für Dich?

Mentales Training heißt auch Dich selbst besser kennenzulernen, Deine eigenen Stärken und Schwächen.

Die meisten Menschen die eine solche Studie lesen sagen: “Ja, das kenne ich, das habe ich schon oft bei anderen beobachtet, ich weiß das schon lange, aber auf mich trifft das nicht zu.”

Und so laufen sie in die gleiche Falle wie diejenigen, die ihre eigene Selbstkontrolle überschätzen.

Wenn Du weiß, dass die Umstände und die Situationen in die Du Dich begibst Dein zukünftiges Verhalten beeinflussen, dann kannst Du Dich fragen: Wie gestalte ich meine Umgebung so, dass es dem Verhalten zuträglich ist, das ich mir wünsche? Wie kann ich mich in Situationen begeben, welche das von mir erwünschte Verhalten fördern, und solche vermeiden, die mein Verhalten in eine andere Richtung lenken könnten?

Mehr psychologische Selbstkontrolle durch eingeschränkte körperliche Bewegung

Einer Versuchung zu widerstehen, einem Drang nicht nachzugeben, bei einem Glücksspiel nicht leichtsinnig und riskant alles auf eine Karte zu setzen, dieses mal nicht eine Flasche Wein aufmachen, die Zigarette in der Packung lassen anstatt sie zu rauchen… all das braucht Selbstkontrolle. Und in dem meisten Fällen scheitern wir.

Doch eine Studie hat einen kleinen Trick offenbart der unsere Selbstkontrolle verbessern kann: unterdrücke eine körperliche Bewegung.

Denn scheinbar gibt es eine Überlappung im Gehirn zwischen dem Kontrollieren ((kontrollieren im Sinne von: zurückhalten, beherrschen, unterdrücken)) von Bewegungen und dem Kontrollieren von psychologischen Impulsen.

Eine Studie ((Addiction. 2012 Jul;107(7):1280-7. doi: 10.1111/j.1360-0443.2012.03827.x. Epub 2012 Apr 4.Beer à no-go: learning to stop responding to alcohol cues reduces alcohol intake via reduced affective associations rather than increased response inhibition.Houben K, Havermans RC, Nederkoorn C, Jansen A.)) zum Beispiel hat gezeigt, dass der Bierkonsum von Studenten die viel Bier trinken um 30% verringert werden kann durch eine ganz einfache Aufgabe: Sie sollten nicht auf einen Knopf drücken wenn sie Bilder von Bier angezeigt bekamen.

Eine andere Studie ((Psychol Sci. 2012 Jun 12. Proactive Motor Control Reduces Monetary Risk Taking in Gambling. Verbruggen F, Adams R, Chambers CD.)) hat gezeigt, dass die Risikobereitschaft bei finanziellen Wettspielen verringert werden kann wenn eine Person ihre Motorik (also ihre Bewegungen) besser kontrolliert.

Sport hilft nicht gegen Depressionen? Wirklich?

Eine kürzlich veröffentlichte Studie ((Chalder, M., Wiles, N., Campbell, J., Hollinghurst, S., Haase, A., Taylor, A., Fox, K., Costelloe, C., Searle, A., Baxter, H., Winder, R., Wright, C., Turner, K., Calnan, M., Lawlor, D., Peters, T., Sharp, D., Montgomery, A., & Lewis, G. (2012). Facilitated physical activity as a treatment for depressed adults: randomised controlled trial BMJ, 344 (jun06 1) DOI: 10.1136/bmj.e2758)) hat dazu geführt, dass vielerorts berichtet wird: Sport hilft doch nicht gegen Depressionen! Das Ärzteblatt schrieb zum Beispiel im Artikel Sport kein Heilmittel gegen Depressionen die Studie “war gut durchdacht”.

Und in der Tat ist die Studie selbst nicht schlecht durchdacht – die die Art wie über die Studie berichtet wird ist leider sehr unglücklich.

Die Studie hat nicht untersucht wie Sport gegen Depressionen wirkt, sondern wie die Ermutigung durch jemand anderen Sport zu treiben gegen Depression wirkt.

360 Versuchsteilnehmer mit Depressionen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen wurden standardmäßig gegen Depressionen behandelt (also psychotherapeutische Interventionen, Gesprächstherapie, Medikamente, usw.) Eine Gruppe erhielt jedoch zusätzliche Betreuung durch speziell geschulte Coaches die sie dazu motivieren sollten Sport zu treiben.

Wie genau sah diese “Betreuung” aus? Nun, die Betreuer trafen sich drei mal mit den depressiven Patienten und telefonierten 10 mal über den Zeitraum eines Jahres mit ihnen.

Sie versuchten die Patienten dazu zu motivieren 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv zu sein.

Nach vier Monaten berichteten 52% der Versuchsteilnehmer aus der “Sportgruppe” dass sie tatsächlich 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv seien.

Im Vergleich: in der “Nicht-Sportgruppe” berichteten 43% 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv zu sein. Der Unterschied war also schonmal sehr gering – gerademal 9%.

Nun kommt noch dazu, dass es sich um Selbsteinschätzungen handelt – die Prozentzahlen basierten also auf den unüberprüften Aussagen der Versuchsteilnehmer.

Und selbst in der Sportgruppe berichteten bis zu 58% bei einer der verschiedenen Befragungen dass sie nicht körperlich aktiv waren – und trotzdem wurden diese Leute zur Sportgruppe gezählt.

Auch die Definition von “Sport” lässt hier viel Freiraum für Interpretation: ein Gang zum Bäcker oder Laden zum Beispiel zählte in diesem Fall schon als “Sport”.

Es gibt so viele Ansatzpunkte zur Kritik, dass wir vorerst doch mit dieser Meta-Analyse ((Herring MP, Puetz TW, O’Connor PJ, Dishman RK. Effect of exercise training ondepressive symptoms among patients with a chronic illness: a systematic reviewand meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Intern Med. 2012 Jan23;172(2):101-11. Review. PubMed PMID: 22271118.)) von mehreren randomisierten kontrollierten Studien halten, welche zu dem Schluss gekommen ist dass Sport gegen Depressionen helfen kann:

Exercise reduces depressive symptoms among patients with a chronic illness. Patients with depressive symptoms indicative of mild-to-moderate depression and for whom exercise training improves function-related outcomes achieve the largest antidepressant effects.

 

Aberglaube kann Leistung verbessern

Insgesamt halten wir vom MentalesTraining.net Team für rationale Menschen mit einem faible für Wissenschaften. Doch könnte es für uns von Vorteil sein ein bisschen abergläubischer zu sein?

Forscher von der Uni Köln haben nachgewiesen ((Damisch, L., Stoberock, B., & Mussweiler, T. (2010). Keep your fingers crossed! How superstition improves performance. Psychological Science, May 28, 2010, DOI: 10.1177/0956797610372631)), dass Aberglaube tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen kann.

“die Forscher [luden] 28 Studenten zum Golfspielen ein. Bevor die Versuchsteilnehmer jedoch abschlagen durften, erklärten die Psychologen der Hälfte von ihnen, ihr Ball habe sich bisher als Glücksball erwiesen.

Wie die Wissenschaftler im Fachjournal Psychological Science berichten, gelang es den Probanden mit dem angeblichen “Glücksball” – tatsächlich handelte es sich natürlich um irgendeinen Golfball – im Schnitt mehr als sechs von zehn Bällen einzulochen. Die Kontrollgruppe mit dem gewöhnlichen Ball schnitt schlechter ab. Hier beförderten die Studenten weniger als fünf von zehn Bällen ins Loch.”

Dieses und weitere Experimente über die Wirkung des Aberglaubens ist zwar schon zwei Jahre alt, aber trotzdem ist der Artikel in der Süddeutschen Zeitung sehr lesenswert!

Und wer lieber Video guckt: ZDF Beitrag zum Thema Glücksbringer.

Ein psychologischer Placebo Effekt. Warum ihn also nicht nutzen?

Und wir gehen jetzt erstmal ein vierblättriges Kleeblatt suchen…