Chaotischer Schreibtisch gut für kreatives Denken

Ein chaotischer, unaufgeräumter Schreibtisch – sowas sieht niemand gerne. Außer die Leute, die selbst einen haben. Und oft schon habe ich Schelte für das Sammelsurium auf meinem Schreibtisch bekommen, oder doch zumindest missbilligende Blicke.

Doch nun stellt sich heraus, dass solch ein Wirrwarr nicht notwendigerweise schlecht ist. Es hat auch positive Seiten: unaufgeräumte Schreibtische fördern kreative Denkprozesse. Das hat eine Studie gezeigt die eine Psychologie-Wissenschaftlerin der Universität von Minnesota in den USA durchgeführt hat.

Professorin Kathleen Voohs und Ihre Kollegen gingen sehr kreativ an diese Studie heran, und fanden dabei auch heraus:

Ein sauberer Schreibtisch jedoch kann förderlich sein für gesunde Ernährungsgewohnheiten, Großzügigkeit und Konventionalität.

Neues oder altbewährtes Produkt?

Versuchsteilnehmer wurde die Wahl gelassen zwischen einem neuen Produkt oder einem bekannten Produkt. Diejenigen, die an einem chaotischen Arbeitsplatz saßen wählten häufiger das neue Produkt, während diejenigen, die an einem aufgeräumten Schreibtisch saßen häufiger das bekannte Produkt wählten.

Das war eines der Indizien dafür, dass ein chaotischer Schreibtisch das Loslösen von alten Konventionen leichter macht.

Neue Anwendungsmöglichkeiten für Ping Pong Bälle erfinden

Dann wurde Versuchspersonen gesagt, sie sollten sich etwas einfallen lassen, was man mit Ping Pong Bällen noch machen kann, außer Tischtennis zu spielen. Eine Übung bei der es auf Kreativität ankommt. Jedem Versuchsteilnehmer wurde gesagt, er oder sie solle so viele Ideen wie möglich generieren.

Einige der Versuchspersonen wurden in einen chaotischen Raum gebracht, andere in einen aufgeräumten.

Beide Gruppe generierten im Durchschnitt die gleiche Anzahl an Ideen. Es bestand also kein quantitativer Unterschied. Jedoch wurde jede Idee beurteilt (von Menschen die den Hintergrund des Experiments nicht kannten und auch nicht wussten, ob eine Idee in einem chaotischen oder aufgeräumten Arbeitsplatz entstand). Der Reihe durch wurden Ideen die an chaotischen Arbeitsplätzen entstanden sind als interessanter und kreativer bewertet.

Zusammenfassend kann man also sagen: Eine Änderung in der Umgebung (aufgeräumt oder chaotisch) führte zu einer Veränderung des Verhaltens und Denkens.

Ob die professorin selbst einen sauberen schreibtisch hat oder nicht, ist jedoch nicht bekannt.

Quelle: “Physical Order Produces Healthy Choices, Generosity, Conventionality, Whereas Disorder Produces Creativity,” Vohs, Kathleen D., Joseph P. Redden, and Ryan Rahinel (in press) Psychological Science

Kreativität steigern durch das körperliche Ausführen von Metaphern

Wenn Du Deine Kreativität steigern willst, was tust Du dann üblicherweise? Nun, oftmals greift man zu Kreativitätstechniken wie Brainstorming und Übungen welche “rechtshemisphärisches Denken” aktivieren sollen. (Auch wenn wir mittlerweile wissen, dass Kreativität nicht wirklich nur eine Sache der rechten Gehirnhälfte ist).

Eine wissenschaftliche Studie ((Angela K.-y. Leung, Suntae Kim, Evan Polman, Lay See Ong, Lin Qiu, Jack A. Goncalo, and Jeffrey Sanchez-Burks Embodied Metaphors and Creative “Acts” Psychological Science May 2012 23: 502-509, first published on April 3, 2012 doi:10.1177/0956797611429801)) hat nun eine neue Methode um kreativer zu denken zutage gefördert.

Und diese Methode ist: kreative Metaphern körperlich auszuführen. (Wenn Du unseren letzten Beitrag zum Thema Embodiment gelesen hast, wird Dich das nicht überraschen).

Im Englischen gibt es den Begriff think outside the box. Wörtlich also: außerhalb der Kiste denken. Nicht in Schubladen denken. Keine gewohnheitsmäßigen Denkmuster. Neue Bahnen einschlagen. Über den Tellerrand hinaussehen.

Und wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass Menschen tatsächlich kreativer denken können wenn sie Bewegungen ausführen, welche diese Metaphern widerspiegeln.

Die Wissenschaftler ließen zum Beispiel einige Teilnehmer innerhalb einer 1,5 x 1,5 Meter großen Kiste sitzen, und andere außerhalb der Kiste. Dann gaben sie den Teilnehmern kreative Assoziationstests.

Z.B. ein Test wie: Finde ein Wort dass zu jedem dieser drei Begriffe passt: Apfel, These, Atom. Die richtige Antwort lautet natürlich Kern. Das ist ein sehr einfaches Beispiel, doch diese Art von Test lässt sich auch schwieriger gestalten.

Diejenigen die außerhalb der Kiste saßen schnitten bei dem Test besser ab als diejenigen die innerhalb der Kiste saßen.

Bei einem anderen Test sollten Teilnehmer in geraden Linien gehen und dabei jeweils im rechten Winkel abbiegen in die gleiche Richtung, so als ob sie auf einem Quadrat laufen sollten. Eine andere Gruppe konnte frei im Raum umhergehen. Diejenigen die frei im Raum umhergegangen sind schnitten bei Kreativitätstests wieder deutlich besser ab.

Eigentlich sind diese Ergebnisse nicht überraschend – und dennoch ist es wichtig vertraut mit ihnen zu sein, denn wer erfolgreich Mentaltraining für die Steigerung der Kreativität betreiben will, der sollte auch wissen welche Rahmenbedingungen den gewünschten Ergebnisse am förderlichsten ist. Freie körperliche Bewegungen scheinen also mit freien geistigen Bewegungen und gesteigerter Kreativität einherzugehen.

Meditation führt zu flexibleren Lösungsansätzen

Dass Meditation entspannt und gut für die Gesundheit ist weiß man ja mittlerweile. Eine neue Studie ((Greenberg J, Reiner K, Meiran N (2012) “Mind the Trap”: Mindfulness Practice Reduces Cognitive Rigidity. PLoS ONE 7(5): e36206. doi:10.1371/journal.pone.0036206)) hat nun nachgewiesen dass Meditation auch zu mehr Flexibilität im Denken führen kann.

Der sogenannte Einstellungseffekt von Abraham S. Luchins wurde verwende. Was ist der Einstellungseffekt?

Der Einstellungseffekt liegt vor, wenn bei einer Serie ähnlicher Probleme ein bestimmtes Lösungsmuster zur Routine wird und selbst dann ausgeführt wird, wenn es einfachere (kürzere) Lösungswege gibt.
(Zitat aus Allgemeine Psychologie für Bachelor: Denken- Urteilen, Entscheiden …  Autoren: Tilmann Betsch, Joachim Funke, Henning Plessner)

In einer Studie haben 12 Teilnehmer mit mindestens dreijähriger Vipassana Meditationserfahrung und 15 Teilnehmer ohne jegliche Meditationserfahrung versucht eine Reihe von Denkaufgaben zu lösen.

Dabei waren die Denkaufgaben so aufgebaut, dass die meisten Versuchsteilnehmer ein bestimmtes “Lösungsmuster” erkannten, und folglich die Aufgaben zunehmends einfacher lösen konnten. Bis die Denkaufgaben so aufgebaut waren, dass das Lösungsmuster eben nicht mehr die optimale Lösungsstrategie war – ein Umdenken wäre erforderlich gewesen.

Bei den meditationserfahrenen Teilnehmern ist dieses Umdenken weitaus häufiger geschehen als bei denen die nicht meditiert haben.

Nun könnte man sagen: ja, wahrscheinlich waren diese Leute schon vorab flexibler im Denken und haben deshalb das Meditieren überhaupt erst angefangen.

Um auch das zu klären wurde ein weiterer Versuch durchgeführt.

64 Teilnehmer wurden rekrutiert. Keiner von ihnen hatte Erfahrung mit Meditation. Dann wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Gruppe A durchlief ein sechswöchiges Meditationstraining, Gruppe B nicht.

Nach zwei Monaten waren die Teilnehmer der Gruppe A viel besser darin ihre mentalen Strategien flexibel zu verändern als Teilnehmer der Gruppe B.

Das zeigt: Meditation kann helfen rigide Denkmuster zu vermeiden. Wenn Du lernen willst Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und so Deine geistige Flexibilität zu trainieren, dann könnte Meditation eine gute Form des mentalen Trainings dafür sein.

Die beste Tageszeit für kreatives Denken? (Wissenschaftliche Studie)

Wir alle wissen dass es im Laufe eines Tages bestimmte Zeiten gibt während denen wir besser arbeiten, und Zeiten in denen wir einfach… nun, durchhängen.

Die meisten Menschen haben morgens einen klaren Kopf und können sich am besten fokussieren, und dann nach dem Mittagessen nimmt die geistige Leistungsfähigkeit deutlich ab.

Doch Forscher ((Mareike Wieth vom Albion College in den USA)) haben nun herausgefunden, dass es auch darauf ankommt welche Art von mentaler Funktion durch eine bestimmte Arbeitsaufgabe gefordert wird.

Kreativität scheint nämlich ihren Untersuchungen ((veröffentlich in einer kürzlich erschienen Ausgabe von Thinking & Reasoning)) zufolge dann am besten zu funktionieren, wenn Du eben nicht in geistiger Höchstform bist.

Wie haben sie das herausgefunden?

Nun, als erstes haben sie festgestellt ob Versuchsteilnehmer eher Morgen-Menschen oder Abend-Menschen sind – also ob sie gern früh aufstehen und sich morgens fit fühlen, oder ob sie eher spät aufstehen und dann bis spät in die Nacht arbeiten ((dies haben sie mit dem Morningness Eveningness Questionnaire getan, einer weitverbreiteten Methode die 1976 von Horne und Ostberg entwickelt wurde und im Grunde genommen darin besteht einige Fragen zu beantworten)).

Dann haben sie die Menschen die weder Morgen- noch Abend-Menschen sind (weil sie sich im neutralen Bereich befinden) aussortiert, um zu aussagekräftigeren Erkenntnissen zu gelangen.

Dann sollten die Teilnehmer drei analytische Probleme lösen (welche logisches Denken erforderten), und drei Probleme welche kreatives Denken erforderten, und zwar zu verschiedenen Tageszeiten.

Das Ergebnis?

Unabhängig davon ob die Teilnehmer analytische Probleme am Abend oder am Morgen durchführten, es wurde kein Unterschied in ihrer Leistungsfähigkeit festgestellt. ((Dieses Ergebnis ist an sich schonmal interessant – ich hätte erwartet dass Morgenmenschen am morgen tatsächlich auch besser im Lösen von analytischen Problemen sind.))

Bei Problemen die jedoch kreative Lösungsansätze verlangten wurden Unterschiede erkennbar: interessanterweise haben Morgen-Menschen bessere kreative Lösungen gefunden wenn sie die Probleme am Abend lösen sollten. Und Abend-Menschen waren besser im kreativen Problemlösen am morgen!

Wenn es also um kreatives Denken geht, scheint die beste Zeit dann zu sein, wenn wir eben nicht in geistiger Bestform sind.

Die Versuchsleiterin erklärt sich dieses Phänomen so: wenn wir geistig nicht mehr ganz in Bestform sind, ist unser Konzentrationsvermögen auch nicht mehr das beste – insbesondere lässt unsere Fähigkeit nach unrelevante und unwichtige Dinge aus unserem Bewusstsein zu halten.

Doch genau das ist für kreatives Denken ja notwendig: (scheinbar) unzusammenhängende, unerwartete, nicht naheliegende gedankliche Verknüpfungen zu erstellen, um so zu innovativen Lösungsansätzen zu kommen.

Quelle: Albion College