Das Gehirn aufladen während einem Spaziergang in der Natur – oder in der Stadt?

Sicherlich hast Du schon einmal davon gehört, dass ein Spaziergang gut tut – und zwar nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist. Tatsächlich kann ein Spaziergang Deine geistige Leistungsfähigkeit deutlich erhöhen.

Drei amerikanische Wissenschaftler, Marc G. Berman, John Jonides und Stephan Kaplan von der Universität von Michigan, USA, haben im Jahr 2008 eine faszinierende Studie zu diesem Thema veröffentlicht.

Sie wollten herausfinden, ob es einen Unterschied macht ob man in der Natur oder in der Stadt spazieren geht. Natürlich gibt es einen offensichtlichen Unterschied: ein Spaziergang in der Natur ist erheblich schöner und entspannender als in der Stadt. Doch gibt es auch einen Unterschied in der Wirkung die ein Spaziergang auf die geistige Leistungsfähigkeit hat?

Dazu rekrutierten sie Freiwillige, die sie einem Gedächtnis- und Konzentrationstest unterzogen. Anschließend wurden die Freiwilligen in zwei Gruppen unterteilt.

Gruppe A ging dann durch eine schöne, mit vielen Bäumen bewachsene Gegend.

Gruppe B hingegen ging durch eine Innenstadt des US-Staates Michigan.

Anschließend wurden beide Gruppe nochmals dem Gedächtnis- und Konzentrationstest unterzogen.

Das Ergebnis?

Freiwillige der Gruppe A – diejenigen also die durch die Natur gegangen sind – schnitten im Durchschnitt etwa 20% besser ab als beim ersten Test.

Freiwillige der Gruppe B – diejenigen also die durch die Stadt gegangen sind – schnitten im Durchschnitt genauso ab wie beim ersten mal. Es war keine Verbesserung der Testergebnisse erkennbar.

Schriftsteller, Künstler, Denker und Forscher haben schon seit Alters her oft davon berichtet, wie stimulierend ein Spaziergang oder eine Wanderung durch die schöne Natur für sie gewesen sei. Und mittlerweile haben auch wissenschaftliche Studien erkannt, dass die überlieferten Anekdoten dieser großen Geister durchaus neurophysiologisch begründet sind.

Ein Grund dafür, so die Wissenschaftler, ist, dass es in der Natur viele schöne Stimuli gibt, die dazu führen dass wir unsere Aufmerksamkeit gerne darauf richten, und es entspannt tun können.

Im Vergleich dazu finden sich in einer Stadt eine Vielzahl an Stimuli, die keineswegs schön sind, die jedoch unbedingt beachtet werden müssen: beispielsweise das Hupen eines herannahenden Autos. In solch einem Fall kann es sogar überlebenswichtig sein. Und zugleich finden sich in der Stadt viele Stimuli die wir lieber ignorieren: zum Beispiel Werbeplakate, Ansagen über Lautsprecher, unangenehme Gerüche. Sowohl das Wahrnehmen von überlebensnotwendigen Stimuli, wie auch das Ignorieren von unrelevanten Stimuli, braucht kognitive Rechenleistung; beides beansprucht unser Gehirn. Deshalb ist ein Spaziergang durch eine Stadt oftmals bei weitem nicht so entspannend wie ein Spaziergang durch eine schöne Naturlandschaft.

Ein guter Grund also immer wieder mal die Nähe der Natur zu genießen, auch für Stadtmenschen. Und es zeigt, dass Parks und Grünanlagen eben nicht nur ein schöngeistiger Luxus sind, sondern durchaus auch eine ökonomisch wertvolle Funktion erfüllen.

Quelle: The Cognitive Benefits of Interacting With Nature, Marc G. Berman, John Jonides & Stephan Kaplan

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