Die neuronale Plastizität des Gehirns veranschaulicht anhand einer Schneehügel-Schlitten Metapher

Die neuronale Plastizität des Gehirns lässt sich sehr anschaulich mit einer Metapher von Dr. Alvaro Pascual-Leone, einem der führenden Gehirnforscher unserer Zeit, beschreiben.

Stell Dir vor es ist Winter, und Du bist auf einem mit Schnee bedeckten Hügel. Manche Bestandteile dieses Berges sind vorgegeben: die Steine, die Abhänge, die Konsistenz des Schnees. Sie sind wie unsere Gene.

Wenn wir mit einem Schlitten den Hügel hinabfahren können wir den Schlitten lenken. Wo genau wir dann unten am Fuße des Hügels ankommen hängt sowohl davon ab wie wir gelenkt haben, als auch von den vorgegebenen Begebenheiten des Hügels. Und wenn wir mit dem Schlitten das erste mal den Berg herunterfahren ist es schwierig vorauszusagen wo genau unser Schlitten zum Stehen kommen wird.

Doch wenn wir dann den Schlitten wieder hinaufziehen, und den Berg ein zweites mal hinabfahren, und von der gleiche Stelle aus losfahren, dann ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer dass wir den gleichen Pfad den wir zuvor schon heruntergefahren sind zumindest wieder kreuzen werden – aber mit noch größerer Wahrscheinlichkeit werden wir diesem Pfad im groben folgen. Denn dadurch dass wir den Berg einmal heruntergefahren sind, haben wir eine Spur im Schnee hinterlassen, und wann immer wir auf diese Spur fahren ist die Wahrscheinlichkeit dass wir auf der Spur bleiben größer, denn innerhalb der Spur ist der Widerstand geringer als wenn wir uns aus der Spur herausbewegen. Je öfter wir nun den Berg hinabfahren desto ausgeprägter werden bestimmte Spuren sein.

Und in etwa so verhält es sich auch mit der neuronalen Plastizität unseres Gehirns. Je öfter Nervenbahnen in unserem Gehirn aktiviert wurden, desto ausgeprägter die “Fahrspuren”, und desto geringer der Widerstand den Signale erfahren wenn sie sich über diese Nervenbahnen bewegen. Und desto größer ist auch zugleich der Widerstand aus einer einmal ausgeprägten neuronalen “Fahrspur” auszubrechen – was auch die Macht der Gewohnheiten erklärt, und warum es uns oft so schwer fällt Gewohnheiten zu verändern.

Denn es ist das Paradox der Plastizität: gerade weil unser Gehirn so leicht formbar und so flexibel und wandlungsfähig ist, kann das dazu führen dass wir umso rigider werden – denn wie in der Metapher von Dr. Alvaro Pascual-Leone veranschaulicht hilft die Plastizität unseres Gehirns eben auch besonders effektiv Gewohnheiten zu verfestigen.

Neurowissenschaftler erforschen gerade intensiv wie solche neuronalen Muster gezielt verändert werden können, und wir können in den nächsten Jahren mit großen Fortschritten auf diesem Gebiet rechnen.

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