Frühe Kindheitserinnerungen: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

Wie werden unsere frühesten Erinnerungen geformt? Warum können wir uns an Erlebnisse aus unseren ersten Lebensjahren nicht mehr erinnern? Wo wir doch in dieser Zeit so vieles über die Welt gelernt haben – inklusive des Sprechens.

Widerlegte Theorien

Früher glaubte man dass Babies keine Erinnerungen formen konnten, weil ihr Gehirn einfach noch nicht so entwickelt sei, dass ein Gedächtnis funktionieren könnte. Doch mittlerweile weiß man, dass die neurologischen Strukturen zum Abspeichern von Erinnerungen bereits vorhanden und funktionsfähig sind.

Sigmund Freud hatte seine eigene Theorie: infantile Amnesie. Und er vermutete (nicht überraschend) dass wir uns nicht an unsere ersten Lebensjahre erinnern können weil in dieser Zeit erster sexuelle Gefühle entstanden sind, und wir die Erinnerungen daran unterdrückt haben. Jaja, Sigmund…

Neue Theorien

Eine Theorie besagt, dass die Erinnerungen aus den ersten Lebensjahren etwa ab der Pubertät verloren gehen.

Dazu gab es eine interessante Studie: Forscher befragten Kinder zwischen vier bis 13 Jahren nach ihren frühesten Erinnerungen. Zwei Jahre später stellten sie den gleichen Kindern die gleichen Fragen.

Die älteren Kinder antworteten meist so wie bei der ersten Befragung. Doch die jüngeren Kinder antworteten meist anders, und sie konnten sich an die frühesten Erinnerungen die sie vor zwei Jahren genannt haben oftmals garnicht mehr erinnern.

Auch kulturelle Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Eine Studie ((“When I Was Little”: Childhood Recollections in Chinese and European Canadian Grade School Children; Carole Peterson1, Qi Wang2, Yubo Hou3Article first published online: 29 APR 2009DOI: 10.1111/j.1467-8624.2009.01275.x)) mit chinesischen und kanadischen Kleinkindern hat zum Beispiel gezeigt dass die kanadischen Kleinkinder sich etwa ein Jahr weiter zurückerinnern können als die chinesischen Kinder. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Kanadier und Chinesen anders mit ihren Kindern kommunizieren.

Wenn Eltern zum Beispiel auf eine strukturierte Art und Weise nach Erinnerungen befragen, helfen sie den Kindern dabei klarere Gedankengänge zu erstellen. Eine einfache Methode um dies zu tun ist Kinder Wer, wann, was Fragen zu stellen. (Das bestätigt mal wieder die Sesamstraße).

Tatsächlich haben sich Erinnerungen als beständiger erwiesen, wenn die Kinder sie koherent beschrieben haben, mit einer Reihenfolge und Ursache- Wirkungs-Zusammenhängen, und wenn starke Gefühle involviert waren.

Auch dass zeigt warum Mnemotechniken so wirksam sind: Informationen werden emotional kodiert und auch kognitiven intensiver verarbeitet, was uns dabei hilft die Information besser abzuspeichern und später leichter wieder darauf zuzugreifen.

Leave a Comment

Previous post:

Next post: