Funktioniert Gehirnjogging?

Es gibt viele Arten von Gehirnjogging, denen allerlei Wirkung nachgesagt wird. Vor allem Computerspiele sowohl online wie auch offline auf DVD oder Spielekonsolen. Mit diesen Produkten werden Riesengewinne eingefahren; denn sie vereinen die weitverbreitete Freude am Spielen mit einem scheinbaren Nutzen: etwas Gutes für’s Gehirn zu tun.

Da kann man sich durchaus mal zurecht fragen: Funktioniert Gehirnjogging wirklich?

Nun hat Walter Boot ein ganz bestimmtes dieser “Gehirnjogging Spiele” mal auf die Probe gestellt, nämlich das Spiel Brain Age von Nintendo.

Walter Boot ist außerordentlicher Professor für Psychologie an der Florida State University in den USA.

Das Spiel besteht überwiegend aus Denksportaufgaben und Rätseln in den Bereichen Logik, Mathematik und Lesen, und ähnelt in vielerlei Hinsicht anderen bekannten Gehirnjogging-Spielen.

Wenn man sich die Webseite von Brain Age mal anschaut, dann bekommt man den Eindruck dass es vor allem darum geht das Gehirn jung zu halten und vor den (vermeindlisch schädlichen) Effekten des Alters zu bewahren.

Doch ist dem auch wirklich so?

Nein, so die Antwort von Professor Walter Boot; in seinen Studien konnte solch ein Effekt nicht nachgewiesen werden, und auch konnten die Hersteller des Spiels die Wirksamkeit des Spiels nicht mit wissenschaftlichen Studien unterlegen.

Das heißt keinesfalls das Gehirnjogging nicht funktioniert – es heißt lediglich, dass effektives Gehirnjogging komplexer ist als es vielerorts dargestellt wird.

Was wir in den Medien über Gehirntraining lesen und hören ist ja häufig stark vereinfacht. Und das ist auch verständlich; schließlich sind wir keine Neurologen, und es wäre einfach zuviel uns mit den wissenschaftlichen Feinheiten der Neuroplastizität intim vertraut zu machen.

Die Gefahr besteht jedoch darin, dass aus dieser Vereinfachung heraus ein zu eindimensionales, simples Verständnis von Gehirntraining entsteht – und gutgläubigen Kunden verkauft werden kann, dass simpelste Denksportaufgaben sie tatsächlich vor geistigem Abbau schützen und sie zugleich schlauer machen könnte. Wenn jemand dann tatsächlich regelmäßig Zeit und Energie darein investiert diese Tätigkeiten auszuführen, dann ist das leider oftmals nur vergebene Liebesmüh.

Natürlich ist nichts schlechtes daran Sudoku zu spielen, oder Kreuzworträtsel zu lösen, oder Denksport zu betreiben – im Gegenteil, all diese Tätigkeiten haben durchaus ihren Nutzen. (Deshalb integrieren wir sie auch in unseren eigenen Kurs und stellen ihnen auch hier immer wieder Denksportaufgaben bereit).

Allerdings sollten das nur einige Elemente eines umfassenden Gehirntraining-Programms sein. Viele der bekannten Gehirnjogging-Programme beschränken sich jedoch ausschließlich auf diese Aspekte, und die Wirksamkeit der Programme sollte deshalb sehr kritisch betrachtet werden.

Die Frage “Funktioniert Gehirnjogging?” lässt sich also durchaus positiv beantworten: aber eben differenziert, und keineswegs ja pauschal positiv wie viele große Spielehersteller uns das glauben machen wollen.

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