Geist und Gehirn Folge 186: Emotionen, Gehirn- und Gruppengröße

Was beeinflusst wie groß ein Gehirn wird? Wir wissen dass es nicht allein die Körpergröße ist – denn eine Reptilien die einen größeren Körper haben, haben dennoch ein kleineres Gehirn als kleinere Säugetiere. In Episode 186 von Geist und Gehirn versucht Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer darzulegen was das Wachstum des Gehirns vorantreibt und was Gefühle und soziale Interaktionen damit zu tun haben.

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Der Mensch hat im Verhältnis zu seiner Körpergröße das größte Gehirn von allen bekannten Lebewesen.

Doch warum ist das so? Ein großes Gehirn bringt nicht nur Vorteile mit sich, denn das Gehirn ist das stoffwechselaktiste Organ unseres Körpers. Sprich, es verbraucht viel mehr Energie pro Gramm als jedes andere Organ – insgesamt werden etwa 20% unseres Energiehaushalts darin investiert unser Gehirn in Gang zu halten, obwohl das Gehirn nur etwa 2% unseres Körpergewichts ausmacht.

Es gibt eine Theorie die besagt: unser Gehirn ist so groß weil wir damit potentielle Paarungspartner beeindrucken. Dies ist eine evolutionäres Erklärungsmodell.

Eine Pfau beispielsweise hat einen großen, farbenfrohen Fächerschwanz. Warum? Wenn man sich das bedenkt – dieser Fächerschwanz behindert den Pfau im Grunde genommen, er könnte sich viel besser bewegen hätte er ihn nicht.

Oder das riesige Geweih eines Hirsches – auch das macht nicht wirklich Sinn, es ist eine große, schwere Last auf seinem Kopf.

Oder warum sind manche Käfer knallrot, wenn es viel sinnvoller wäre einen grünen Panzer zu haben, denn dann wären sie auf Blattwerk schwerer auszumachen, und würden folglich auch seltener gegessen werden.

All dies sind im Grunde genommen Behinderungen, denn sie sind nicht wirklich nützlich. Doch der Käfer zeigt damit: ich bin so stark und clever, obwohl ich so knallrot bin hat mich noch niemand gefressen. Der Hirsch zeigt: obwohl ich so ein schweres Geweih auf dem Kopf trage laufe ich noch immer erhobenen Hauptes umher. Kurz, es ist fast eine Art des Angebens.

Und bei uns Menschen sind es Dinge wie Tratschen, Kunst, Geschichten erzählen, und so weiter – eigentlich macht es in erster Linie keinen Sinn. Streng genommen könnten wir die Zeit die wir mit diesen auf den ersten Blick “nutzlosen” Aktivitäten verbringen auch damit verbringen bessere Nahrungsquellen zu finden, unsere Überlebenschancen zu vergrößern, und so weiter. Warum also? Nun, zum einen um potentiellen Paarungspartnern zu demonstrieren: wir können es uns leisten unsere Zeit so nutzlos zu vertreiben.

Gruppengröße & Gehirngröße

Bei Primaten gibt es eine klar erkennbare Tendenz: je größer die Gruppe in der Primaten zusammenleben, desto größer das Gehirn, vor allem die Gehirnrinde (der Bereich des Gehirns der für höhere geistige Funktionen zuständig ist).

Kurz: Einzelgängerprimaten haben kleinere Hirnrinden, und soziale Primaten haben größere Hirnrinden.

148: Die menschliche Gruppengröße

Forscher haben sich gefragt: wie groß ist die ideale Größe einer Gruppe für die das menschliche Gehirn geeignet ist? Durch mathematische Berechnungen sind sie auf die Zahl 148 gekommen. Die “ideale” menschliche Gruppe besteht also aus 148 Menschen1 .

Und in der Tat lässt sich das auch in der realen Welt nachweisen.

  • Vereine zum Beispiel teilen sich oft in zwei Gruppen sobald sie etwa 150 Mitglieder erreicht haben.
  • Der durchschnittliche Facebook Nutzer hat 130 Freunde.
  • Menschen die Weihnachtskarten schreiben, schreiben an ungefähr 150 Leute (nicht 150 Karten, aber eine Karte geht oft an eine Familie raus)
  • Schwedische Steuerbehörden teilen sich in Einheiten von 150 Menschen auf.
  • Die Hutterer in den USA teilen einen Hof sobald er eine Größe von 150 Mitgliedern erreicht hat.
  • Wenn eine GoreTex Fabrik größer wird als 150 Mitarbeiter, gründen sie eine neue Fabrik und verteilen die Mitarbeitern über beide Fabriken.

Warum 150? Warum nicht mehr?

Wenn Menschen in Gruppen zusammen leben oder arbeiten entstehen ja auch immer Probleme die gelöst werden müssen, Emotionen die kontrolliert werden müssen, und so weiter.

Bis 150 Menschen – das ist eine Gruppengröße mit der das menschliche Gehirn arbeiten kann.

Bei größeren Gruppen jedoch werden Institutionen notwendig. Deutschland beispielsweise ist eine Gruppe von über 81 Millionen Menschen. Deshalb gibt es politische, juristische und wirtschaftliche Institutionen, welche das Zusammenleben regulieren.

Bei Gruppen bis zu 150 Menschen braucht es zum Beispiel noch keine Polizisten, denn jeder kann jeden noch ein wenig kontrollieren, man kennt sich untereinander.

  1. diese Zahl wird auch Dunbar-Zahl genannt, nach dem britischen Psychologen und Anthropologen Robin Dunbar []

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