Gustatorisches Gehirntraining

Warum mögen manche Menschen Spinat, und andere nicht? Warum suchen sich manche Menschen im Restaurant gerne stark gewürzte Speisen aus, während andere lieber bei neutralen und gewohnten Gerichten bleiben?

Nun, Geschmack beginnt im Mund:

In Deinem Mund befinden sich rund 5000 bis 10000 Geschmacksknospen1. Die meisten davon befinden sich auf kleinen, sichtbaren Erhebungen auf Deiner Zunge, doch es gibt auch einige Geschmacksknospen in anderen Regionen Deines Mundes und Rachens.

Jede dieser Geschmacksknospen wiederum beinhaltet etwa 50 bis 100 Geschmacksrezeptorzellen.

Wenn Du beispielsweise eine Kirsche isst, dann zersetzt Dein Speichel die chemischen Bestandteile der Kirsche in Deinem Mund – und getragen von Deinem Speichel gelangen diese chemischen Bestandteile zu Deinen Geschmacksknospen, wo sie sich mit den Geschmacksrezeptoren verbinden. Die Geschmacksrezeptorzellen schicken dann Signale über Nervenbahnen zum Gehirn, die zum Beispiel besagen: süß und sauer.

Um das was in Deinem Mund ist jedoch als Kirsche zu identifizieren braucht Dein Gehirn mehr Informationen: zumindest noch den Geruchssinn! Und wer schonmal mit ein Überraschungsgericht in einem Dunkel-Restaurant2 gegessen hat, der weiß wie viel Wahrheit in diesen Worten steckt: das Auge isst mit.

Warum schmecken wir überhaupt?

Welchen Sinn macht es überhaupt, dass wir etwas schmecken können? Nun, Wissenschaftler glauben dass wir unseren Geschmackssinn entwickelt haben um uns vor Vergiftungen zu schützen, und um uns zu helfen ausreichend Nährstoffe zu uns zu nehmen. Im Grunde genommen ist unsere Geschmackswahrnehmung ja eine Art “chemisches Bestimmungslabor” – es hilft uns Substanzen die in einer Nahrungsquelle (Pflanze, Pilz oder Tier) enthalten sind zu identifizieren.

Giftige Stoffe schmecken oftmals bitter – was mit ein Grund dafür ist, dass Kinder grundsätzlich keine bitteren Nahrungsmittel mögen, und auch viele Erwachsene eine starke Abneigung gegen Bitteres haben.

Fast alle Menschen jedoch mögen süße und salzige Speisen – und das wiederum hilft uns unseren Bedarf an Salzen (besonders Natriumchlorid) und Kohlenhydraten (also auch Zucker) zu decken.

Und auch umami ist beim Menschen eine sehr beliebte Geschmacksrichtung – und das hilft uns unseren Bedarf an der Aminosäure Glutamat zu decken.

Warum mögen manche Menschen Spinat und andere nicht?

Nun, Spinat (und viele andere Gemüse) haben eine ausgeprägte bittere Komponente. Wie ein Mensch auf Geschmäcker reagiert hat unterschiedliche Komponenten: Umwelteinflüsse, Genetik und Erfahrungen.

Varianten des TAS2R38 Gens zum Beispiel beeinflussen wie ausgeprägt die Geschmackssensoren für bestimmte Bitterstoffe bei einem Menschen sind.

Doch keineswegs sollte man nun davon ausgehen, dass alles rein genetisch bedingt sei. Wer zum Beispiel regelmäßig viel Salz konsumiert, der wird immer mehr dazu neigen seine Speisen stark zu salzen. Es gibt also Gewöhnungseffekte.

Wie der Geschmackssinn Essgewohnheiten beeinflusst

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Menschen die eine schwach entwickelte Geschmackswahrnehmung für Fett in Nahrungsmitteln haben mehr Fett zu sich nehmen: eben weil ihr Gehirn nicht wahrnimmt, dass diese Menschen genügend Fett zu sich nehmen.

Doch was hat all das mit Mentaltraining zu tun?

Nun, Dein Gehirn lebt von Stimulation. Und natürlich hat Gehirnjogging und Gedächtnistraining und derlei alles seine Berechtigung – doch eine der schönsten Dinge die Du tun kannst um Dein Gehirn fit zu halten ist zu kochen, und Deine gustatorische Erlebnisfähigkeit zu verfeinern.

Wenn Du etwas isst – esse ganz bewusst und versuche mit Deinem Geschmackssinn und Deinem Geruchssinn zu identifizieren welche Zutaten verwendet wurden, welche Gewürze Du herausschmecken kannst. Das ist eine wundervolle Art von Gehirntraining.

  1. Geschmacksknospen, auch Schmeckknospen oder Caliculi gustatorii genannt, sind die Sinneszellen des Geschmackssinnes []
  2. ein Dunkel-Restaurant ist ein Restaurant, in dem komplette Dunkelheit herrscht. Es ist eine interessante Erfahrung mal zu erleben, wie unterschiedlich man eine Mahlzeit wahrnimmt, wenn man nicht sehen kann was man isst, sondern komplett auf seinen Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn angewiesen ist []

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