Menschen suchen nach Erinnerungen so wie Tiere nach Futter suchen

Es ist schon faszinierend wie viel mehr wir über die funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses lernen. Eine neue Studie1 hat nun gezeigt, dass Menschen in ihrem Gedächtnis nach Informationen suchen auf die gleiche Art und Weise wie Tiere nach Futter suchen.

Doch was genau heißt das?

Nun, nehmen wir zum Beispiel als Tier einen Vogel. Ein Vogel der nach Futter sucht weiß, dass sein Futter meistens in Ansammlungen zu finden ist. Vögel essen gerne Beeren. Und Beeren wachsen auf Sträuchern. Ein Strauch ist also eine Ansammlung von Futter für einen Vogel. Deshalb suchen Vögel nicht nach einer einzelnen Beere, sondern nach einem Beerenstrauch.

Allerdings gibt es auch einen Punkt, an dem ein Strauch so leergefressen ist, dass es sich für den Vogel nicht mehr lohnt auf diesem Strauch weiter nach Beeren zu suchen. Selbst wenn hier und da noch ein paar Beeren zu finden sein mögen, für den Vogel macht es mehr Sinn nach einem anderen Strauch zu suchen, der noch nicht kahlgefressen ist.

Das Suchverhalten des Vogels entspricht dem Grenzwert-Theorem2.

Was hat das mit dem menschlichen Gedächtnis zu tun?

Nun, Wissenschaftler haben Versuchsteilnehmern folge Aufgabe gestellt: Nenne so viele Tiere wie Du kannst innerhalb von drei Minuten.

Die Ergebnisse haben sie dann mit dem Grenzwert-Theorem verglichen und festegestellt: die Menschen, die gemäß dem optimalen Grenzwerttheorem nach Tiernamen suchen, haben die größte Anzahl an Tieren innerhalb von drei Minuten genannt.

Ein Beispiel?

Das, was beim Vogel ein Beerenstrauch ist, ist in dieser Gedächtnisaufgabe zum Beispiel eine Gruppe von Tieren die ein Mensch “nah beieinander” im Gedächtnis abgespeichert hat. Also: Löwe, Tiger, Leopard, Gepard. Katze. Hyäne. (Katzenartige Tiere). Oder eine andere Gruppe: Nilpferd, Rhinozeros, Krokodil, Giraffe, Zebra, Elefant. (Tiere die in Afrika leben).

Bei den Gruppierungen handelt es sich nicht um biologische Klassifizierungen, sondern einfach um mögliche Ansammlungen von Tieren im Gedächtnis, die natürlich sehr subjektiv und von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können. Solche Ansammlungen von verwandten Erinnerungen sind jedoch ein universaler Mechanismus des Gedächtnisses, auch wenn die genauen Inhalte natürlich individuell sind.

Was hat das mit mentalem Training zu tun?

Nun, wenn Du mal ein einer Situation bist in der Du “mental steckenbleibst” oder “leergelaufen bist”, dann kannst Du Dir folgende Frage stellen:

Springe ich zu schnell von einer Ansammlung zur nächsten, oder verweile ich zu lange bei einer bestimmten Ansammlung?

Dann kannst Du Deine Denkweise entsprechend anpassen: entweder Dich intensiver mit einer mentalen Ansammlung beschäftigen, oder aber bewusst die Entscheidung treffen eine ergiebigere mentale Ansammlung zu finden.

Gedächtnistraining ist nicht immer nur das typische “Erinnern lernen”, sondern manchmal eben auch alternative Erinnerungsstrategien zu lernen! Diese Technik ist ein weiteres Untensil in Deinem mentalen Werkzeugkasten, wir hoffen es wird Dir von Nutzen sein.

  1. Thomas T. Hills, Michael N. Jones, Peter M. Todd. Optimal Foraging in Semantic Memory.Psychological Review, 2012; DOI: 10.1037/a0027373 []
  2. marginal value theorem, so der Begriff im Englischen []

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