Mentaltraining im Sport: Ruhige Augen, leere Köpfe, optische Täuschungen und Selbstgespräche

Mentaltraining im Sport gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wurden Mentaltrainer vor einigen Jahrzehnten oftmals noch belächelt, so gibt es heute kaum noch Spitzensportler die auf mentales Training verzichten.

Schon seit den 1990er Jahren ist in wissenschaftlichen Kreisen und bei Mentaltrainern bekannt dass Fußballer besser kicken, Basketballer besser werfen und Golfer besser abschlagen wenn sie auf ein Ziel gucken und dabei ihre Augen nicht bewegen.

Doch warum hilft “ein ruhiges Auge”?

Dieser Frage wollte ein Forscherteam1 auf den Grund gehen.

Die gängige Meinung war, dass ein ruhiges Auge den Athleten hilft sich besser zu fokussieren und Ablenkungen auszublenden.

Doch das Forscherteam wollte eine alternative Theorie testen. Denn Objekte die wir im Zentrum unseres Blickfeldes sehen erscheinen größer als Objekte in unserer Peripherie. Das, was im Zentrum unseres Blickfeldes ist fällt direkt in die Sehgrube2 unseres Auges, und das ist der Bereich des schärfsten Sehens.

Könnte es also daran liegen, dass ein ruhiges Auge beim Zielen hilft?

Im Rahmen einer Studie haben die Forscher dann einen Golfplatz manipuliert. Sie haben Kreise um Golflöcher herum projiziert. Entweder fünf große Kreise oder 11 kleine Kreise. Dadurch haben sie eine sogenannte Ebbinghaus Illusion geschaffen.

Ebbinghaus IllusionEbbinghaus Illusion – die beiden orangen Kreise sind gleich groß, doch wirken unterschiedlich aufgrund der blauen Kreise die um sie herum gemalt sind.

Einige der Golflöcher erschienen nun also größer, während andere kleiner erschienen.

Dann sollten die Versuchsteilnehmer Golfbälle in die Löcher putten. Obwohl beide Löcher gleich groß und gleich schwierig zu spielen waren, putteten die Teilnehmer besser in das Golfloch, welches von vielen kleinen Kreisen umgeben war (und deshalb größer wirkte).

Selbstgespräche führen

Sportpsychologe Antonis Hatzigeorgiadis3 hat herausgefunden dass Athleten ihre Leistung verbessern können wenn sie mit sich selbst sprechen.

Besonders ausgeprägt war dieser positive Effekt bei Sportarten die Feinmotorik erforderten (vs. Sportarten die vor allem starken Kraftaufwand von großen Muskeln erfordern).

Sowohl motivierende Selbstgespräche (“Ich kann das! Ich schaffe das! Ich kann ihn schlagen!”) wie auch Selbstanleitungen zeigten positive Effekte, jedoch waren Selbstanweisungen am effektivsten.

Also zum Beispiel ein Bogenschütze der zu sich selbst sagt: “Heb den Ellbogen ein bisschen höher. Senke das Kinn.”

Naheliegend und wenig überraschend: denn solche Anleitungen helfen dabei fokussiert zu bleiben und stärken das Selbstbewusstsein.

Blindes Bankdrücken = Mehr Gewicht

Der Kinesiologe Ali Boolani von der Universität von Georgia in den USA hat herausgefunden dass Bankdrücker schwerere Gewichte ((einige Kilogramm schwerer) gestemmt haben wenn ihnen die Augen verbunden waren.

Warum?

Weil wir, wenn wir keine visuellen Informationen erhalten, uns mehr anhand unserer Propriozeption orientieren. Propriozeption ist unsere eigene, innere gefühlte Körperwahrnehmung – unser “Körpersinn” der uns wissen lässt wo unterschiedliche Teile unseres Körper gerade sind. Scheinbar führt diese Steigerung unserer propriozeptiven Wahrnehmung (auch Tiefenwahrehmung genannt) dazu, dass wir Arme und Hände so positionieren, dass wir größere Gewichte stemmen können.

Musik = Bessere Leistung

Boolani hat auch herausgefunden dass Basketballer und Baseballer bessere Leistung bringen wenn sie Musik hören.

Warum das?

Boolani vermutet dass Musik uns einfach den Kopf frei macht. Die Athleten denken nicht mehr so viel darüber nach was sie eigentlich tun, und verlassen sich mehr auf ihr (unterbewusstes) Muskelgedächtnis. Ihr bewusstes Denken interferiert nicht mit ihren sportlichen Leistungen.

Sport ist also nicht nur körperlich – auch die mentale Seite spielt eine wichtige Rolle, das, was im Kopf geschieht.

Siehe auch:

  1. geleitet von Jessica Witt, Psychologieprofessorin und 2005 Ultimate Frisbee team Goldmedallienträgerin []
  2. Fovea centralis []
  3. von der Universität von Thessaly in Griechenland []

Leave a Comment

Previous post:

Next post: