Mentaltraining im Tennis und Fußball – Neue Studie der Uni Konstanz

Was bringt Mentaltraining für Tennis- und Fußball Spieler? Lohnt es sich für einen Spieler überhaupt seine Zeit in Mentaltraining zu investieren? Lassen sich messbare Verbesserungen der Leistung durch mentales Training erzeugen?

Das sind Fragen die Khaled Hegazy von der Universität Konstanz im Rahmen seiner Doktorarbeit1 auf über 200 Seiten nachgeht.

Wir zitieren die Zusammenfassung:

Ziel dieser Studie war die Überprüfung einer Verbesserung der Präzision von Freistößen im Fußball und Aufschlägen im Tennis als geschlossene Lernaufgaben durch mentales Training. Die potentiellen Variablen und deren Einfluss auf die Effizienz des mentalen Trainings werden in dieser Studie aufgezeigt. Zu diesen Variablen gehört die Vorstellungsfähigkeit, das Bekenntnis zur Studie, somatische Angst, Besorgnis und Zuversicht, Konzentrationsvermögen, Geschlecht und Alter. Der experimentelle Aufbau der Studie bestand aus einem Vor- und Nachtest und einer Kontrollgruppe. Die Daten wurden anhand von 60 (38 Männer, 22 Frauen) Amateurathleten auf einem hohen Tennislevel im Alter zwischen 12 und 35 Jahren in Deutschland und 54 (Männern) Fußballathleten der dritte Liga im Alter zwischen 14 und 22 Jahren in Deutschland ermittelt. Alle Teilnehmer waren in Tennis und Fußballverbänden Baden-Württembergs in Deutschland registriert. Die Tennis- und Fußballteilnehmer füllten jeweils einen Fragebogen aus und wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die Interventionsgruppe (IG) erhielt Technikübungen und mentales Training. Die Kontrollgruppe (CG) erhielt nur technisches Training (normales Training) über den gleichen Zeitraum. Analyse der Kovarianz zeigte eine hohe signifikante Verbesserung im Falle des mentalen Training für die Präzision des Aufschlages, während der Effekt beim Fußball-Strafstoß nur geringfügig signifikant war (p=.059). Ergebnisse deuten darauf hin, dass Selbstbewusstsein scheinbar eine Auswirkung auf die Leistungssteigerung zeigt, wenn der Athlet mehr Kontrolle über seine Bewegung hat, wie im Falle der geschlossenen Lernaufgaben. Des Weiteren könnte dieser Effekt durch erfahrenere Spieler herbeigeführt worden sein, da diese schon mit hohen Geschwindigkeiten schlagen bzw. schießen und eher die Genauigkeit trainieren, während jüngere Spieler mehr auf Geschwindigkeit fokussieren. Zusätzlich ist eine nichtsignifikante Wechselwirkung zwischen Zeit und Geschlecht erkennbar, eine Tendenz zeigt aber, dass die Präzisionsverbesserung der Frauen höher war als die der Männer. Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Vorstellungsvermögen, Bekenntnis, somatischer Angst, Besorgnis und Konzentrationsvermögen.

(Quelle)

Also Klartext: In dieser Studie konnte nachgewiesen werden, dass Tennisspieler ihren Aufschlag deutlich verbessern konnten mit Hilfe von Mentaltraining, während Fußballer durch mentales Training eine nur “geringfügig signifikante” Verbesserung erreichen konnten.

Wir haben uns nicht durch die 201 Seiten intensiven Materials durchgearbeitet – doch beim Durchsehen und Überfliegen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass für Mentaltrainer und Coaches die ernsthaft an Mentaltraining für Sportler interessiert sind dort viele interessante und wertvolle Informationen enthalten sind.

Es wird besonders auf Imaginationstechniken (Visualisierungen, mental imagery) eingegangen – und das macht Sinn, sind sie doch die am häufigsten verwendeten Techniken des Mentaltrainings von Trainern2.

Studien3 haben gezeigt dass Visualisierungsübungen die Leistung von Kraft- und Ausdaueraufgaben steigern kann.

Mentaltraining wird in vielen Sportarten eingesetzt, doch in den folgenden wurde die Wirksamkeit bereits durch wissenschaftliche Studien dokumentiert: Tennis, Volleyball, Fußball, Basketball, Golf, Eiskunstlauf, Schwimmen, Dart, Alpine Skilauf, Trampolin Springen, Tauchen, Wettrennen, Karate, Hockey, Tanz und Klettern.

Mit teilweise schon erdrückender Genaugikeit und Ausführlichkeit behandelt Khaled Hegazy das Thema in The Effect of Mental Training on Precision Tasks in Tennisand Soccer- A Study on Educational Technology. Und genau so soll es ja auch sein. Wer leichte Lektüre erwartet, wird hier nicht fündig werden. Wer jedoch einen umfassenden und zugleich detaillierten Überblick über die Wirksamkeit und bewährte Anwendungsgebiete von Mentaltraining haben möchte, und das auf messbar bewiesene Art und Weise, für den stellt dieses mehr als 200seitige wissenschaftliche Abhandlung (die kostenlos als PDF-Dokument heruntergeladen werden kann) eine wahre Goldgrube dar.

  1. The Effect of Mental Training on Precision Tasks in Tennisand Soccer- A Study on Educational Technology []
  2. Bloom, G.A., Durand-Bush, N., & Salmela, J.H. (1997). Pre- and postcompetition routines of expert coaches of team sports. Sport Psychologist, 11, 127-141. und Hall, C., Rodgers, W. (1989). Enhancing coaching effectiveness in figureskating through a mental skills training program. The Sport Psychologist, 3,142-154 []
  3. Vealey, R.S., & Greenleaf, C. (2006). Seeing is believing: Understanding andusing imagery in sports. In J.M. Williams (Ed.), Applied Sport Psychology:Personal growth to peak performance (pp. 306-348). 5th ed., Boston:McGraw-Hill []

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