Quarks & Co Doku zum Thema Gehirntraining

Hier findest Du eine ausführliche Dokumentation von Quarks & Co mit dem Titel: “Hält Gehirntraining jung?”

Insgesamt dauert das Video eine knappe dreiviertel Stunde.

Fragen die in dieser Dokumentation beantwortet werden sind zum Beispiel:

  • Gibt es wirklich ein Rezept gegen geistigen Abbau im Alter?
  • Wie lässt sich verhindern dass die Verbindungen zwischen Nervenzellen einfach verschwinden?
  • Was hilft, und was hilft nicht?

Der Moderator Ranga Yogeshwar führt den Zuschauer unterhaltsam und leichtverständlich durch die Welt des populären Gehirntrainings in Form von Spielen, Programmen, Workshops und Büchern.

Unter anderem wird das populäre Gehirnsport Programm von der Firma Nintendo unter die Lupe genommen, zumal immerhin rund 20 Millionen Exemplare weltweit von diesem Spiel verkauft worden sind.

Auch Professor Ryuta Kawashima (ja, genau, der Kawashima) kommt in der Dokumentation persönlich zu Wort.

Unter anderem sagt er, dass wir unser Gehirn heutzutage oftmals kaum noch nutzen, weil unser Leben sehr bequem ist – und durch diesen Mangel an Gebrauch baut der Geist im Laufe der Zeit einfach ab.

Lerntherapie gegen Altersdemenz

Kawashima hat eine Methode entwickelt die heute in etwa 700 Altenheimen angewendet wird bei der Behandlung von Dementen Bewohnern. Diese Methode war die Vorlage für das bekannte Gehirnjogging-Spiel.

Gehirn verjüngern?

Es werden verschiedene Fallbeispiele von Menschen genannt, die durch Gehirntraining positive Effekte im eigenen Leben erfahren haben. Unter anderem eine “Verjüngerung des Gehirns”.

Unter anderem wird behauptet, dass 50 mal das Gehirnjogging Spiel zu spielen das geistige Alter 15 Jahre verjüngen könnte.

Wann beginnt der Verfall des Gehirns?

Laut dieser Dokumentation setzt geistiger Abbau im Arbeitsgedächtnis schon ab dem 20. Lebensjahr ein. Denn dann gehen Synapsen verloren. Alle 10 Jahre nimmt der Verlust der Nervenzellen im Arbeitsgedächtnis um 10% zu, und folglich verringert sich die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses.

Hinzu kommt, dass das Gehirn mehr Rechenleistung benötigt um körperlichen Abbau zu kompensieren. Beispielsweise beim Lesen eines Buches – die Sehkraft lässt nach, deshalb braucht das Gehirn mehr Leistung um Buchstaben und Worte zu entschlüsseln – Leistung, für die das Arbeitsgedächtnis zuständig ist. Gleiches gilt für’s Hören und für Bewegungen.

Durch freie Radikale (aggressive Zellen) werden wichtige Zellbestandteile in den Neuronen zerstört, z.B. Proteine. In der Folge wird das Funktionsvermögen der Nervenzellen eingeschränkt.

Auch die Blutgefäße die das Gehirn mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen altern, und so kommt es zu Versorgungsproblemen im Gehirn, vor allem für Sauerstoff und Glukose.

Geistiger Abbau wegen absterbden Gehirnzellen?

Es ist keineswegs so, dass geistiger Abbau immer daran liegt dass Gehirnzellen absterben.

Um dies zu illustrieren wird aufgeführt: ein 20jähriger hat etwa 23.000.000.000 Nervenzellen. Im Alter verliert er davon ungefähr 20%, also bleiben noch immer rund 20.000.000.000 Nervenzellen übrig. Dies ist nicht der ausschlagebendste Faktor für geistigen Abbau.

Viel gravierender ist der Abbau der Verbindungen zwischen den Nervenzellen, und es ist die Vernetzung im Gehirn die unsere geistige Leistungskraft ausmacht.

Im Alter gehen gerade in den Hirnbereichen die in Lern- und Erinnerungsprozesse involviert sind besonders viele Verbindungen zwischen Neuronen verloren.

Der Moderator führt zum Beispiel das Gedächtnis-Spiel Memory auf: seiner Aussage zufolge sind Kinder beim Memory Spiel viel besser als Erwachsene.

Geistige Fitness in der Arbeitswelt

Dann wird ein Segmet dem Thema Arbeitswelt gewidmet, und wie wichtig mentale Fitness am Arbeitsplatz ist. Unter anderem wird die Frage gestellt, ob ältere Mitarbeiter den Anforderungen großer Unternehmen noch gewachsen sind.

Zum Beispiel haben Forscher die geistige Leistungsfähigkeit von jüngeren und älteren Mitarbeitern eines Opel-Werks getestet, mittels eines Computers.

Insgesamt dauert ein Testdurchlauf etwa 30 Minuten, und es gibt 80 Personen die am Test teilnehmen. Gleichzeitig wird die Hirnaktivität der Teilnehmer gemessen.

Was hat die Auswertung ergeben?

Ältere Probanden haben besonders dann Schwierigkeiten, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig im Gedächtnis behalten müssen.

Dafür machen sie jedoch weniger Fehler als die jüngeren – sind dafür jedoch etwas langsamer.

Deshalb wird auf der Führungsetage auch gefragt: wie können Mitarbeiter geistig fit gehalten werden?

Sind ältere Gehirne immer schlechter als jüngere?

Mit Forschern aus Dortmund wurden alte gegen junge Gehirne in einem Leistungswettbewerb getestet.

Im Test wurde sowohl gelerntes Wissen abgefordert, wie auch hohe geistige Flexibilität und schnelle Informationsverarbeitung.

Dann wird das Erfahrungswissen getestet, indem die Worte einzelner Worte möglichst jung und knapp erklärt werden sollen.

Im dritten Test wird schnelle Kombinationsfähigkeit gefordert – welches Symbol ist spiegelverkehrt?

Im letzten Test stehen fünf ähnliche Buchstabenkombinationen in einer Reihe, von denen jeweils nur eine ein sinnvolles Wort ergibt. Zum Beispiel: Sorekin – Sarowin – Rosakin – Narosin – Kerosin.

In der Auswertung wurde folgendes Ergebnis deutlich:

Bei Tests bei denen geistige Flexibilität wichtig war haben die jüngeren mehr richtige Antworten gehabt.

Ältere Gehirne waren leistungsfähiger bei Tests auf denen es auf Erfahrungswissen ankam. Professor Michael Falkenstein sagt zum Beispiel, dass das Gehirn zwar altert, es aber durchaus Aufgaben gibt wo Ältere besser sind, weil bestimmte Funktionen nicht schlechter werden, sondern eher sogar ein bisschen besser, zum Beispiel sprachliche Wortkompetenz (das könnte zum Beispiel erklären warum es so viele alte Politiker gibt).

Ist jung oder alt also besser? Nun, das kommt auf die Aufgabe an.

Neuroplastizität

Dann widmet sich die Dokumentation dem Gehirnjogging und geht dafür nach San Francisco. Dort hat Amerikas erstes kommerzielles Fitnesszentrum, vibrant brains, für’s Gehirn geöffnet. Für 60 Dollar monatlich können Kunden hier mit verschiedenen Programmen “ihre Neuronen zum Schwitzen bringen”, inklusive persönlichem Coaching.

Dann wird Posit Science besucht, und man unterhält sich mit dem weltbekannten Hirnforscher Michael Merzenich.

Merzenich betont, dass es beim wissenschaftlichen Gehirntraining nicht um Tricks geht wie man Schwächen kompensieren kann, sondern dass die “Denkmaschine tatsächlich repariert werden kann”, und die Arbeitsweise des Gehirns verbessern, so dass er der Arbeitsweise eines jüngeren Gehirns entspricht.

Das Computerprogram von Posit Science besteht aus 6 Übungen die täglich durchgeführt werden soll. Zwar wird auch das Gedächtnis trainiert, doch das Schärfen der akustischen Wahrnehmung ist weitaus wichtiger.

Das zugrundeliegende Prinzip ist, dass die Informationen die das Gehirn von den Ohren erhält besser (=schneller und klarer) verarbeitet werden sollen – denn dadurch werden die Informationen auch klarer dem Gedächtnis übermittelt.

Eine unabhängige Studie soll die Wirksamkeit des Programms bewiesen haben, deshalb hat das Fernseh-Team Auszüge der noch unveröffentlichten Studie Florian Schmiedek vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Laut Schmiedek ist die entscheidende Frage, wie alltagsrelevant die Trainings-Aufgaben sind. Während Schmiedek skeptisch ist, so ist Merzenich sich der Wirksamkeit des Programms für’s Alltagsleben sicher.

Posit Science arbeitet mit vielen Altersheimen in den USA zusammen.

Transfereffekt?

Die Frage welcher sich das Team dann widmet ist: trainieren Gehirntrainingsprogramme einfach nur die Kompetenz im Lösen von Aufgaben aus dem jeweiligen Trainingsprogramm, oder gibt es auch einen Transfereffekt, d.h. gehen mit verbesserten Leistungen im Programm auch Verbesserungen allgemeiner kognitiver Fähigkeiten einher?

Im Berliner Max-Planck Institut für Bildungsforschung wird interessant geforscht. Die Aufgabe ist es mit Hilfe eines Laufbandes und einer “virtuellen Realität” einen virtuellen Zoo zu besuchen und mit so wenigen Schritten so viele Tiere wie möglich zu finden. Teilnehmer üben beständig. Es geht darum zu klären ob und wie schnell man das lernt, und wie sehr das das Orientierungsvermögen verbessert.

Sabine Schäfer vom Insitut sagt, dass Versuchsteilnehmer tatsächlich ihre Leistung durch das Training verbessern – und zwar gleichermaßen für alte und junge Probanden. Im Durchschnitt ist es so, dass die Leistung am Anfang (vor dem ersten Training) bei älteren Probanden deutlich schlechter ist als bei jungen, dass die Verbesserung der Leistung jedoch im Laufe mehrerer Trainingsdurchläufe auch stärker ansteigt. (Insgesamt jedoch unter der Leistung von jüngeren bleiben, zumindest im Zeitrahmen des Experimentes – es ist nicht klar welche Ergebnisse längeres oder intensiveres Training zutage fördern würde).

Daraus schließen die Forscher, dass auch alte Probanden kognitive Aufgaben sehr erfolgreich üben (und verbessern) können.

Professor Ulman Lindenberger, Direktor vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung macht einen Unterschied deutlich:

  • das Trainieren von Fertigkeiten
  • das Trainieren von Fähigkeiten
Werden bei Gehirntrainings also nur Fertigkeiten trainiert, oder auch Fähigkeiten?
Die Studie war zum Zeitpunkt der Reportage noch nicht fertig, doch

 

Gehen für’s Gehirn

Eine Universität in Bremen hat eine Studie durchgeführt bei der sie festgestellt haben: die Gehirnleistung verbessert sich besonders effektiv durch Bewegungstraining, also zum Beispiel Jogging, Gehen, etc.

Warum jedoch ist körperliches Training gut für die grauen Zellen?

In Bremen sucht man mit einem MRT nach Antworten.

So sind sie darauf gekommen, dass körperlich fitte Menschen die für kognitive Aufgaben zuständigen Hirnareale besonders effektiv nutzen können, während weniger trainierte für die gleichen Aufgaben noch weitere (zusätzliche) Hirnbereiche hinzufügen müssen.

Studien haben gezeigt dass sich Strukturen im Gehirn verändern, und sich mehr Verknüpfungen zwischen einzelnen Neuronen bilden, was wiederum eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns zur Folge hat.

Doch warum Sport?

Experten der Sporthochschule in Köln vermuten, dass ein Nervenwachstumsfaktor1 etwas damit zu tun hat.

Denn bei körperlicher Anstrengung steigt die Menge des Nervenwachstumsfaktors im Blut.

Doch wieviel Sport braucht das Gehirn für eine Leistungsverbesserung?

“Sie müssen keineswegs einen Marathon absolvieren. Es reicht völlig aus wenn man zweimal oder dreimal pro Woche einen zügigen Spaziergang absolviert, auch das wirkt sich schon positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus.”

- Professor Heiko Strüder, Bewegungswissenschaftler der Sporthochschule Köln

Andere Studien weisen darauf hin dass neben Walken auch Koordinations- und Gleichgewichtstraining dem Gehirn von Senioren zugute kommt.

Musizieren für’s Gehirn

Dann widmet sich die Doku einer Studie an der Universität von Zürich. Dort lernen 70jährige Klavierspielen – im Rahmen de Studie.

Professor Dr. Lutz Jäncke sagt, dass beim Klavierspielen viele Hirnareale auf eine ganz besondere Art und Weise aktiviert werden.

Bereits nach einer Woche Klavierspielen zeigen sich deutliche Veränderungen im Gehirn der Probanden.

Andere Studien haben gezeigt, dass musizierende Senioren doppelt so gut gegen Altersdemenz geschützt sind als andere Senioren.

Professor Dr. Jäncke sagt, dass ältere Menschen ermutigt werden sollten völlig neue Sachen zu lernen, und nicht zu sagen: “Ich bin jetzt schon so alt, ich mach ____ nicht mehr.” Sondern sich ganz im Gegenteil Sachen vornehmen die man vorher vielleicht noch nie gemacht hat, und die dann auch tatsächlich beginnen.

Denn Neues bringt das Hirn auf Hochtouren.

Gehirntraining mit Kindern

Ein besonders schönes Projekt wird dann dargestellt.

Im Rahmen eines ungewöhnlichen Gehirntrainingsprogramms besuchen Kinder Senioren im Altenheim und führen verschiedene Übungen durch. Durch die Interaktion mit den Kindern wird das Gehirn besonders reichhaltig stimuliert – auch, oder vielleicht gerade weil sie ab und zu anstrengend sind.

Renate Sondermann vom Bundesverband für Gedächtnistraining berichtet, dass dies anfangs nicht ganz problemlos war; es gab Spannungen, doch auch das war Bestandteil des Gehirntrainings: denn solche Probleme zu lösen und ein harmonisches Miteinander zu ermöglichen ist anspruchsvolle Denkarbeit.

Eine durchaus gelungende Dokumentation! Und, es gibt eine schön aufbereitete Broschüre (als PDF Datei) welche die Inhalte der Sendung auch nochmal illustriert.

  1. ein Stoff, der bei der Vernetzung der Hirnzellen eine Rolle spielt []

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