Schmerzen abstellen, Placebos und Alzheimer

Placebos sind eine seltsame Sache – Tabletten ohne Wirkstoff, die Kranken trotzdem helfen können. Wissenschaftlich eigentlich unmöglich, aber was ihre Wirksamkeit betrifft doch bestätigt.

Deshalb interessiert es natürlich auch Forscher: Wie funktionieren Placebos eigentlich?

In Versuchen wurde immer wieder deutlich: man kann Patienten die unter Schmerzen leiden Placebos geben, und damit ihr Leid mindern.

Und nicht nur das: auch wenn Wissenschaftler mit bildgebenden Verfahren überprüfen, wie sich Placebos auf’s Gehirn auswirken kommt dabei heraus: Placebo’s bewirken tatsächlich messbare Veränderungen in den Schmerz-Schaltkreisen des menschlichen Gehirns.

Die naheliegendste Erklärung ist, dass der Glaube an die Wirksamkeit der Tabletten die Wirkung ausmacht. Und das will auch niemand bestreiten – Glaube kann Berge versetzen.

Doch interessant ist es natürlich, ein genaueres Verständnis davon zu bekommen wie genau denn unser “Glaube” unsere Neuropsychologie so beeinflusst, dass selbst etwas so grundlegend biologisches wie unser Schmerzempfinden davon beeinflusst wird.

Trotz intensiver Forschung weiß man vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen noch wenig über die Funktionsweise.

Interessant ist es jedoch, dass Placebos bei Alzheimerpatienten nicht so effektiv Schmerzen lindern wie bei geistig gesunden Menschen. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass bei Alzheimerpatienten nicht mehr genügend autobiographische Erinnerungen vorhanden sind, um den Glauben an die Wirksamkeit der Medikamente hervorzurufen. Wer sich nicht daran erinnern kann, dass Tabletten ihm Schmerzen gelindert haben, der wird auch nicht so stark daran glauben wie jemand, der sich an derartige Erfahrungen erinnern kann.

Auch interessant ist es, dass bestimmte geistig anspruchsvolle Tätigkeiten Schmerzen lindern können. Das liegt vermutlich einfach daran, dass unser menschliches Aufmerksamkeitsvermögen limitiert ist: wir können nur eine begrenzte Menge an Informationen zeitgleich im Bewusstsein halten. Wenn wir unser Bewusstsein gezielt mit anspruchsvollem Mentaltraining beschäftigen, bleibt weniger geistige Kapazität frei, um Schmerzen noch bewusst wahrnehmen zu können. Schmerzen kontrollieren zu können ist eine Fähigkeit, die viele Menschen sich antrainiert haben – man denke nur an Yogis oder Mystiker, die sich alle erdenklichen Objekte durch verschiedene Körperteile pieksen ohne dabei Schmerzen zu empfinden.

So weit muss man ja garnicht gehen – aber wenn man sich mal geschnitten hat, oder zum Beispiel unter einem Mückenstich leidet, kann es durchaus ein interessantes mentales Experiment sein einfach mal auszuprobieren, was man tun kann um diese unangenehme Empfindung auszublenden.

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