Selbstbeherrschung: Hast Du Dich selbst gut im Griff? Dann hast Du wahrscheinlich wenig Selbstkontrolle…

Glaubst Du dass Du Dich selbst gut im Griff hast? Dass Du gut darin bist Versuchungen zu widerstehen? Verfügst Du über gute Selbstbeherrschung?

Ja?

Nun, dann bist Du besonders gefährdet Versuchungen zum Opfer zu fallen.

Eine Studie1 hat gezeigt, dass Menschen die von sich selbst glauben eine gute Selbstbeherrschung zu haben oftmals das genau gegenteilige Verhalten an den Tag legen.

Es ist ein Fall von überschätzter Selbstkontrolle. Eben gerade weil Du glaubst Dich selbst gut im Griff zu haben setzt Du Dich häufiger Versuchungen aus.

Das Beispiel ist besonders deutlich zu sehen bei Rauchern die gerade im Prozess sind das Rauchen aufzugeben. Diejenigen die von sich selbst glauben dem Ruf der Zigarette widerstehen zu können setzen sich öfter Situationen aus in denen eine Zigarette sie verlockt – und werden folglich auch häufiger rückfällig.

Die Psychologie überschätzter Selbstkontrolle

Warum überschätzen wir unsere Selbstkontrolle so häufig? Ein Grund ist einfach dass wir nicht gut darin sind vorauszusagen wie wir uns zukünftig fühlen und verhalten wenn die Umstände anders sind als die Umstände in denen wir uns gegenwärtig gerade befinden.

Ein Beispiel?

Wenn wir satt sind dann unterschätzen wir die Macht die Hungergefühle über uns ausüben können.

Wenn wir frieren dann unterschätzen wir wie sehr brühende Hitze uns zu schaffen mache kann.

Wenn wir gerade befriedigenden Sex gehabt haben unterschätzen wir wie sehr Gelüste unseren Verstand entgleisen lassen können.

Das Cafeteria-Snack Experiment

Ein Forscher ließ 79 Versuchsteilnehmer 7 Snacks der Reihenfolge nach ordnen: der Snack der ihnen am besten schmeckt als erstes, der den sie am wenigsten verlockend fanden als siebtes.

Dann sagte er ihnen sie sollten sich einen Snack aussuchen, und dass sie den Snack bekommen würden und noch dazu 4 Euro, wenn sie den Snack eine Woche später noch nicht gegessen haben.

Einige der Versuchsteilnehmer befragte er bevor sie die Cafeterie betraten (also noch hungrig waren), andere nachdem sie die Cafeterie verließen (also satt waren).

Dabei bemerkte er folgende Tendenz: diejenigen die er befragte bevor sie die Cafeterie betraten wählten öfter einen anderen als ihren Lieblings-Snack aus. Während diejenigen, welche die Cafeterie verließen öfter ihren Lieblings-Snack aussuchten. Menschen die also hungrig waren wählten bewusst einen Snack aus dem sie leichter widerstehen konnten als diejenigen die satt waren.

Und diejenigen die ihren Lieblingssnack ausgesucht hatten (“die Satten”) hatten ihn häufiger vor Ablauf der Woche aufgefressen als diejenigen die sich einen Snack ausgesucht haben als sie noch hungrig waren.

Auch auf einer individuellen Basis waren diejenigen, die sich in einer Befragung als sehr selbstbeherrscht beschrieben öfter diejenigen, die der Versuchung vor Ablauf einer Woche zum Opfer gefallen sind und den Snack aufgegessen haben. Warum? Weil sie eben häufiger ihren Lieblingssnack ausgesucht hatten als diejenigen, die ihre Selbstbeherrschung geringer eingeschätzt haben.

Das Raucher-Verlockungs-Experiment

Der Forscher wollte das Phänomen durch ein anderes Experiment untersuchen. Dazu rekrutierte er 53 Raucher.

Dann gab er ihnen einen Test um zu bestimmen wie gut diese Raucher dem Griff zur Zigarette widerstehen konnten. Allerdings wurde bei der Auswertung dieses Tests geschummelt. Die Ergebnisse, welche den Rauchern präsentiert wurden waren willkürlich und standen in keinem Zusammenhang zu ihren tatsächlichen Antworten im Test. Und so wurde einigen Rauchern gesagt, dass sie über sehr starke Selbstbeherrschung verfügten, und anderen wurde gesagt, dass sie nur eine schwache Selbstbeherrschung hatten.

Dann bekamen die Teilnehmer eine Aufgabe:

Sie sollten sich einen Film mit dem Titel “Kaffee und Zigaretten” ansehen. Und dabei sollten sie der Versuchung widerstehen sich eine Zigarette anzuzünden. Diejenigen die der Versuchung widerstehen konnten bekamen einen Preis. Nun mussten sie aber vorab eine Entscheidung treffen.

Die Entscheidung welche von den Teilnehmern verlangt wurde war wie folgt. “Wollen Sie den Film ansehen während…

a) eine Zigarette im Nachbarzimmer bereit lag

b) eine Zigarette auf dem Tisch vor ihnen bereit lag

c) sie eine Zigarette in der Hand hielten oder

d) sie eine Zigarette im Mund hatten (unangezündet)

Wie man sehen kann ist es bei Variante a) am einfachsten zu widerstehen und bei Variante d) am schwierigsten.

Je schwieriger die Variante die sie auswählten, destö größer das Preisgeld das sie bekommen würden wenn sie der Zigarette erfolgreich widerstehen konnten.

Diejenigen, denen gesagt wurde dass sie über sehr guten Selbstbeherrschung verfügten wählten häufiger ein schwierige Variante – und scheiterten auch häufiger, während diejenigen, denen gesagt wurde dass sie über eine schwache Selbstbeherrschung verfügten öfter eine leichtere Variante wählten, und der Versuchung erfolgreich widerstehen konnten.

Was bedeutet das für Dich?

Mentales Training heißt auch Dich selbst besser kennenzulernen, Deine eigenen Stärken und Schwächen.

Die meisten Menschen die eine solche Studie lesen sagen: “Ja, das kenne ich, das habe ich schon oft bei anderen beobachtet, ich weiß das schon lange, aber auf mich trifft das nicht zu.”

Und so laufen sie in die gleiche Falle wie diejenigen, die ihre eigene Selbstkontrolle überschätzen.

Wenn Du weiß, dass die Umstände und die Situationen in die Du Dich begibst Dein zukünftiges Verhalten beeinflussen, dann kannst Du Dich fragen: Wie gestalte ich meine Umgebung so, dass es dem Verhalten zuträglich ist, das ich mir wünsche? Wie kann ich mich in Situationen begeben, welche das von mir erwünschte Verhalten fördern, und solche vermeiden, die mein Verhalten in eine andere Richtung lenken könnten?

  1. Nordgren, Loran, Frenk van Harreveld and Joop van der Pligt. 2009. The Restraint Bias: How the Illusions of Restraint Promote Impulsive Behavior. Psychological Science. 20: 1523-1528. []

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