So exakt funktioniert das Gedächtnis (nicht)

Unser Gedächtnis ist keine Festplatte, keine DVD und auch kein Foto. All diese Datenträger haben eines gemeinsam: sie speichern Daten ab und geben sie ganz genau so wieder wie sie abgespeichert worden sind.

Doch in Wahrheit ist unser Gedächtnis anders. Man könnte sagen: „weniger perfekt“. Aber dem ist nicht wirklich so. Unser Gedächtnis ist weniger akkurat. Unser Gedächtnis hat die Tendenz Erinnerungen auf einfallsreiche Art und Weise zu rekonstruieren.

Natürlich gibt es Menschen mit einem fotografischen Gedächtnis – und das ist eine beeindruckende Ausnahmeerscheinung.

Aber wenn Sie kein fotografisches Gedächtnis haben (und davon gehen wir hier einfach mal aus, denn sonst bräuchten Sie sich wirklich nicht mit dem Thema Mentaltraining und Gedächtnistraining beschäftigen), dann ist es sinnvoll sich dessen bewusst zu sein.

Wenn zum Beispiel zehn verschiedene Menschen an einer Kreuzung stehen und Zeuge eines Unfalls werden – meistens bekommen Sie dann zehn verschiedene Augenzeugenberichte von dem was passiert ist. In vielerlei Hinsicht werden sich diese Berichte gleichen, doch es wird auch viele Abweichungen geben, gerade in den Details.

Wenn Sie das nicht glauben, dann sprechen Sie einfach mal mit einem Polizeibeamten der dafür verantwortlich ist Augenzeugenberichte aufzunehmen.

Lügen all diese Menschen? Haben Sie alle ein schlechtes Gedächtnis?

Nein.

Der Grund für die unterschiedlichen Berichte ist einfach, dass unser Gedächtnis aus unvollständigen Informationen ein sinnvolles Ganzes schafft. Um das zu tun, ergänzt oder verändert es manchmal bestimmte Informationen ganz ohne unser bewusstes Beitun.

Sie können das in etwa mit einem Archäologen vergleichen, der aus Scherben einer antiken zerbrochenen Vase wieder eine ganze Vase zusammensetzt.

Selbst wenn er nicht alle Scherbenstücke hat, er kann daraus eine vollständige Vase rekonstruieren indem er die 30% an Vasenscherben die ihm fehlen einfach selbst formt und mit einfügt. Er formt sie nicht willkürrlich, sondern so wie sie in die Vase hineinpassen, basierend auf seinem bisherigen Wissen und Erfahrungsschatz.

Das gleiche gilt auch für die Rekonstruktion von Dinosaurierknochen. Oftmals fehlen bestimmte Knochen, doch auch daraus setzen Archäologen ein komplettes Dinosaurierskellett zusammen, indem sie fehlende Knochen nachmodellieren. Nicht willkürrlich, nicht fabulierend, sondern durchaus mit wissenschaftlicher Methodik – aber es lässt sich nicht leugnen, dass das, was dann am Ende raus kommt nicht ein komplett echtes Dinosaurierskelett ist, sondern echte Dinosaurierknochen mit „gefälschten“ Dinosaurierknochen vermischt.

Es steckt also keine böse Absicht dahinter, sondern es ist einfach ein ganz normaler Mechanismus unseres Gedächtnisses.

Wenn Sie ein besseres Verständnis von den Mechanismen des Erinnerns haben, können Sie dieses Wissen dazu einsetzen sich Informationen besser, präziser und einfacher zu merken. Und genau das ist es was wir beim mentalen Training auch tun.

Um mehr praxisbezogene und direkt anwendbare Techniken und Übungen zur Stärkerung Ihres Gedächtnisses zu bekommen, nehmen Sie (kostenlos) am KopfKurs teil.

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