Warum beeinträchtigt Stress das Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis)?

Ist Dir schonmal aufgefallen dass Du eher zu Gedächtnislücken neigst wenn Du gestresst bist? Dieses Phänomen ist sowohl bei Menschen wie auch bei Tieren zu beobachten, und wurde in vielen Experimenten nachgewiesen.

Forscher1 haben nun ein klareres Bild davon warum Stress die Leistung des Arbeitsgedächtnisses beeinträchtigt.

Das Arbeitsgedächtnis ist in einem bestimmten Teil Deines Gehirns lokalisiert: dem präfrontalen Cortex.

Damit eine Information im Arbeitsgedächtnis behalten werden kann müssen die betreffenden Neuronennetze im präfrontalen Cortex beständig wieder im Gleichschritt feuern. Die einzelnen Neuronen selbst können im tausendstel-Sekunden Takt miteinander kommunizieren, doch wenn ein Neuron nicht innerhalb von einer Sekunde wieder stimuliert wird geht die Information verloren. Es ist ein bisschen wie mit dem Jonglieren: die Bälle müssen ständig wieder hochgeworfen werden, damit alles reibungslos läuft. Fängt man einen Ball nicht rechtzeitig auf und wirft ihn wieder hoch, so fällt er runter (geht verloren).

Wenn wir jedoch Stress ausgesetzt sind lenkt das die Neuronen ab. In dem besagten Experiment konnten Forscher das nachweisen indem sie die Ratten einem plötzlichen, unerwartetem, lauten weißen Rauschen aussetzten während sie ein Labyrynth navigierten.

Unter normalen Bedingungen konnten die Versuchsratten zu 90% das Labyrynth erfolgreich durchlaufen.

Wenn sie jedoch dem weißen Rauschen ausgesetzt wurden konnten nur etwa 65% der Ratten das Labyrynth noch erfolgreich durchlaufen.

Die Forscher haben gleichzeitig die Aktivität der Neuronen im präfrontalen Cortex der Ratten beobachtet. Sie konnten feststellen dass die Neuronen der gestressten Ratten nicht optimal miteinander kommunizieren konnten, und sich die Ratten folglich nicht so gut merken konnten wo sie sich gerade im Labyrynth befinden und wie sie weiter navigieren.

Diese Erkenntnisse sind auch für Menschen bedeutsam, denn wir wissen dass Stress das Arbeitsgedächtnis, die Aufmerksamkeit und das Konzentrationsvermögen schwächt. In der Tat ist Stress ein Faktor bei vielen Unfällen.

Deshalb sollte mentales Training immer auch Stressmanagement beinhalten.

  1. von Universität von Wisconsin-Madison in den USA unter der Leitung von David Devilbiss []

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