Warum Mentaltraining anstrengend sein sollte

Damit mentales Training wirklich erfolgreich sein – und für maximale Effizienz – ist es wichtig fokusiert und unter Aufbringung geistiger Anstrengung zu trainieren. Und gerade dann wenn man erstmalig das Gefühl hat an seine Grenze gekommen zu sein ein bisschen weiterzugehen, sich noch ein bisschen mehr zu bemühen, ein bisschen hartnäckiger am Ball zu bleiben.

Ein sehr anschauliches Beispiel dafür kommt aus der Rehabilitationstherapie für Patienten die nach einem Schlaganfall einen Gehirnschaden erlitten haben. Durch einen Schlaganfall werden oftmals große Gehirnbereiche zerstört. Das wiederum kann zu starken motorischen Funktionseinschränkungen führen, und deshalb sind Patienten oftmals halbseitig gelähmt.

Einst glaubte man diese Lähmungen seien irreparabel. Mittlerweile weiß man jedoch dass durch gezieltes Rehabilitationstraining viele Funktionseinschränkungen wieder rückgängig gemacht werden können.

Damit diese Therapie jedoch erfolgreich ist, ist es essentiell, dass Patienten immer wieder den Punkt überwinden an dem sie glauben dass es zwecklos ist weiterzutrainieren.

Jeder Rehabilitationstherapeut wird das aus eigener Erfahrung bestätigen können. Patienten sind anfangs oftmals gewillt am Training teilzunehmen. Das Training besteht darin simpelste Bewegungsabläufe durchzuführen – zum Beispiel eine Faust zu ballen und die Hand wieder zu öffnen. Bei vielen Patienten ist dies am Anfang garnicht möglich. Dann wird ihnen gesagt sie sollen sich intensiv vorstellen die Bewegung auszuführen. Oftmals wird der Therapeut auch selbst die Hand zur Faust ballen und die Finger wieder aufziehen.

Wenn es darum geht solch einfache Bewegungsabläufe zu trainieren, kommen ganz selbstverständlich auch Frustrationen auf. Schließlich ist der Patient ein erwachsener Mensch, der im Leben schon vieles geleistet hat – und plötzlich findet er sich hilflos in einer Situation wieder, die selbst für ein Kleinkind einfach wäre. Und wenn dann merkbare Fortschritte ausbleiben und es dem Patienten vorkommt als ginge es nicht weiter voran – wen wundert es da, dass so ein Mensch frustriert wird, und oftmals resigniert und den Mut verliert und sagt: es bringt nichts mehr, ich kann das nicht.

Die erfolgreichsten Rehabilitationstherapeuten werden es Dir bestätigen können: gerade an diesem Punkt, wenn der Patient den Glauben verloren hat und aufgeben will, ist es wichtig ihn zu motivieren weiterzumachen. Es ist wichtig dass so ein Patient noch mehr Kraft und Energie aufwendet um über dieses – scheinbar – unüberwindliche Hindernis hinwegzukommen.

Wenn ein Patient nur so trainiert wie es ihm genehm ist, und jedesmal dann aufhört wenn er sich ein wenig erschöpft fühlt oder es ihm zu anstrengend wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Rehabilitation äußerst gering.

Patienten kommen immer wieder an einen Punkt wo sie sagen: “Das war’s. Besser als das kann ich es nicht. Das ist das Beste wozu ich imstande bin.” Und an diesem Punkt ist es wichtig oben noch einen draufzusetzen und zu sagen: “Nein, ist es nicht, Du kannst es noch besser.”

Und auch im mentalen Training gelten ähnliche Prinzipien. Wenn Du vor einer kniffligen Denksportaufgabe sitzt und nicht weiterkommst und das Gefühl hast die Antwort nicht zu finden, dann bleibe hartnäckig – gibt nicht einfach auf und schau nach der Lösung. Wenn das Rätsel viel zu komplex ist, dann ist das eine andere Sache – dann solltest Du zu etwas leichterem wechseln. Das Geheimnis erfolgreichen Mentaltrainings ist Dich herauszufordern – nicht Dich zu überfordern. Im Zweifelsfall jedoch lieber ein bisschen überfordern als unterfordern, denn allein das Versuchen, das intensiv fokussierte Nachdenken hat schon einen Trainingseffekt für Dein Gehirn.

 

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