Wie Babies lernen: Sie suchen sich aus was nicht zu einfach und nicht zu schwierig ist

Eine neue Studie1 könnte uns helfen besser zu verstehen wie menschliches Lernen funktioniert. Die wesentliche Erkenntnis der Studie ist dass Babies sich aussuchen was sie lernen. Sie wählen dabei die Informationen aus ihrer Umwelt aus, die nicht so einfach sind, dass sie es nicht wert sind reflektiert zu werden, jedoch auch nicht so schwierig, dass sie daraus wahrscheinlich keine Lernerfahrung ziehen können. Das leuchtet ja eigentlich auch ein: nicht zu schwer, und nicht zu einfach.

Die Forscher haben die Augenbewegungen von 72 7 bis 8 Monate jungen Babies beobachtet um so “messen” zu können worauf Babies ihre Aufmerksamkeit lenken. Was kann die Aufmerksamkeit eines Babies fesseln?

Früher glaubte man dass etwas entweder neu sein müsste, oder vertraut sein müsste.

Doch die Erkenntnis dieser Studie ist: um die Aufmerksamkeit eines Babies zu halten muss etwas gerade auf dem für sie richtigen Niveau überraschend oder komplex sein.

Die Babies schauten sich Animations-Videos von unterhaltsamen Objekten an, zum Beispiel von einem Ball der hinter einer Anordnung von bunten Kisten auftauchte. Dabei veränderten die Forscher jeweils wo und wann die Objekte auftauchten.

Immer wenn die Babies auf den Bildschirm schauten spielte das Video weiter. Wenn die Babies jedoch ihren Blick vom Bildschirm abwendeten hörten die Videos auf zu spielen.

Nachdem das einige male passiert ist, haben die Babies gemerkt dass sie das Geschehen auf dem Bildschirm beeinflussen könnnen, allein durch ihre Aufmerksamkeit.

Die Forscher hatten nun Videos so erstellt, dass es verschiedene Komplexitätsgrade gab. Wenn etwas sehr voraussehbar ist, dann hat es eine geringe Komplexität. Und entsprechend uninteressiert waren die Babies.

Je überraschender etwas wird, desto höher die Komplexität – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Wenn etwas zu komplex wird – so komplex dass kein Muster mehr erkannt werden kann, dass es einfach nur noch chaotisch und willkürlich wirkt – dann verloren die Babies das Interesse.

Das deutet darauf hin, dass auch schon kleine Babies aktiv mit Informationen arbeiten und umgehen – und keineswegs nur passiv aufnehmen. Auch suchen sie bewusst wertvolle Informationen die ihnen helfen ihre Umwelt besser zu verstehen.

Sollten deshalb nun Eltern versuchen Spielzeug zu finden, dass ihre Babies optimal stimuliert? Nun, das ist nicht wirklich notwendig, denn das meiste Spielzeug ist bereits gehirngerecht. Wichtiger als welches Spielzeug man einem Kind kauft ist vor allem wie man mit seinem Kind interagiert: Zeit und Aufmerksamkeit mit einem Baby zu verbringen, mit einem Baby zu spielen, ist wichtiger als BrainToys :-)

Das erklärt zum Beispiel auch, warum Kinder Geschichten immer wieder hören wollen. Und zwar immer wieder die gleichen Geschichten.

Für einen Erwachsenen ist es oft langweilig die gleiche Geschichte zweimal zu hören. Doch kleine Kinder lernen auch bei Wiederholungen oft immer wieder etwas neues.

  1. Celeste Kidd, Steven T. Piantadosi, Richard N. Aslin. The Goldilocks Effect: Human Infants Allocate Attention to Visual Sequences That Are Neither Too Simple Nor Too ComplexPLoS ONE, 2012; 7 (5): e36399 DOI:10.1371/journal.pone.0036399 []

Leave a Comment

Previous post:

Next post: